| Daniela Hüttemann |
| 12.08.2026 15:30 Uhr |
Ob Spritze oder Tablette kann von den Vorlieben des Anwenders abhängig gemacht werden. Wirkung, Nebenwirkungen und Preis sind vergleichbar. / © Shutterstock/Michael Siluk
Derzeit gibt es große mediale Aufmerksamkeit um den Launch von Novo Nordisk Semaglutid-haltigen Wegovy-Tabletten. Ominöse Telemedizin-Anbieter stehen in den Startlöchern und führen bereits Wartelisten mit verschreibungswilligen Nutzerinnen und Nutzern.
Während es in der letzten Pressemitteilung von Novo Nordisk zur EU-Zulassung am 20. Juli noch hieß, die Einführung sei für das dritte Quartal 2026 geplant, kündigte Manager Emil Larsen nun diese Woche gegenüber der »Wirtschaftswoche« eine Markteinführung in Deutschland zum 1. September an.
Zunächst einmal sollten Apotheker und PTA wissen, dass die Indikationen von Wegovy-Tabletten und -Spritzen identisch sind. Beide enthalten den GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid und beide sind zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit einer Adipositas (BMI ab 30 kg/m2) oder mit Übergewicht (BMI ab 27 kg/m2) plus einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung wie Diabetes, Bluthochdruck, Lipidstoffwechselstörung, obstruktiver Schlafapnoe, Herzinfarkt und Schlaganfall in der Vorgeschichte oder Problemen mit den Blutgefäßen.
Die Injektionslösung im Fertigpen ist auch für adipöse Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen; die Tablette bislang nur für Erwachsene.
Eine Lebensstiländerung mit Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie ist und bleibt die Basis der Adipositastherapie. Das betonte Dr. Nina Meyer, Leiterin des Ernährungsteams und der Endokrinologie am interdisziplinären Adipositaszentrum der Charité Berlin, heute bei einer Veranstaltung des »Science Media Center« Deutschland. Die medikamentöse Therapie sollte nur ein Baustein einer multimodalen Versorgung sein.
In der Zulassungsstudie konnte mit der 25-mg-Tablette einmal täglich eine vergleichbare Gewichtsabnahme wie mit der Injektionslösung einmal wöchentlich erzielt werden – durchschnittlich waren es 13,6 Prozent nach 64 Wochen Behandlung, verglichen mit 2,2 Prozent unter Placebo, teilte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zur Zulassungsempfehlung im Mai mit.
In der Versorgungswirklichkeit sei mit 10 bis 12 Kilogramm zu rechnen, schätzt Seniorprofessor Dr. Hans Hauner, ehemaliger Direktor des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München. Auch konnten laut Angaben von Novo Nordisk, wie bereits bei injizierbarem Semaglutid, Verbesserungen von kardiovaskulären Risikofaktoren gezeigt werden.
Ebenso sind das Nebenwirkungs- und Sicherheitsprofil vergleichbar. Am häufigsten sind gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und dyspeptische Beschwerden, die vor allem zu Behandlungsbeginn auftreten. Schwere Nebenwirkungen sind selten.