| Annette Rößler |
| 10.06.2026 09:00 Uhr |
Wöchentliche Injektionen des Amylin-/GLP-1-Rezeptoragonisten Zenagamtid führten in einer Phase-II-Studie zu einer im Vergleich zu Placebo besseren Blutzuckerkontrolle. / © Getty Images/Halfpoint Images
Der Name Zenagamtid dürfte noch nicht vielen Beobachtern etwas sagen, denn der Wirkstoff hieß früher Amycretin. Es handelt sich um einen parenteral zu applizierenden dualen Agonisten an Amylin- und GLP-1-Rezeptoren. Während der GLP-1-Agonismus mittlerweile als Wirkprinzip bei Typ-2-Diabetes und Adipositas gut etabliert ist, gibt es noch keinen zugelassenen Amylinrezeptor-Agonisten. Von der Aktivierung dieser Rezeptoren verspricht man sich neben einem positiven Einfluss auf den Blutzucker auch einen Gewichtsverlust, der weniger durch Abbau von Muskelmasse zustande kommt als bei den reinen GLP-1-Agonisten.
Per Firmenmitteilung informiert Novo Nordisk nun über die Ergebnisse einer randomisiserten, doppelblinden Phase-II-Studie mit Zenagamtid, an der insgesamt 262 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes teilnahmen. Die Patienten waren stabil auf Metformin eingestellt, zusätzlich waren SGLT-2-Hemmer als Diabetes-Medikation erlaubt. Die Teilnehmenden wurden über 36 Wochen entweder mit Zenagamtid (0,4 mg, 1,5 mg, 5 mg, 10 mg, 20 mg oder 40 mg einmal wöchentlich subkutan) oder mit Placebo behandelt. Primärer Endpunkt war die Veränderung des HbA1c-Werts von Baseline bis Woche 36.
Von den ursprünglich 262 Teilnehmenden schlossen 191 die Studie ab. Hauptgründe für einen Studienabbruch waren Unverträglichkeiten, vor allem Übelkeit und Erbrechen überwiegend in den höheren Dosierungsgruppen. Verglichen mit Placebo führte Zenagamtid in allen Dosierungen zu einer statistisch signifikanten, klinisch bedeutsamen und dosisabhängigen Reduktion des HbA1c-Werts. Der maximale Effekt zeigte sich in der Gruppe der Patienten, die mit 40 mg Zenagamtid wöchentlich behandelt wurden: Vom Ausgangswert 7,8 Prozent sank der HbA1c um 1,71 Prozent auf 6,09 Prozent (Placebo: Rückgang um 1,56 Prozent auf 6,24 Prozent).
Positive Signale gab es auch bei den sekundären Endpunkten, unter anderem der Time in Range (TIR), dem Blutdruck und dem Körpergewicht. Unter der höchsten Zenagamtid-Dosierung nahmen die Probanden durchschnittlich 14,6 Prozent der Ausgangsgewichts ab, unter Placebo waren es 12,5 Prozent. Die Verträglichkeit sei insgesamt mit der von GLP-1-Agonisten vergleichbar gewesen, schreibt Novo Nordisk.
Auf Basis dieser Ergebnisse will der Hersteller das Potenzial von Zenagamtid als Antidiabetikum und Antiadipositum in Phase-III-Studien weiter untersuchen.