| Ev Tebroke |
| 15.10.2026 12:40 Uhr |
Oberstapotheker Bernd Klaubert im PZ-Talk »Alex’ Doppelte Dosis« im Zazou in Berlin. / © Sandra Schneider/Spreekind-Fotografie
Ob Angriff auf die kritische Infrastruktur, Pandemie oder Naturkatastrophen – Apotheken müssen die Arzneimittelversorgung vor Ort sichern. Wie das gelingen kann und wie sich die Betriebe vorbereiten können, das war Thema des PZ-Talks »Alex’ Doppelte Dosis« (ADD) am Mittwoch im Zazou in Berlin. PZ-Chefredakteur Alexander Müller sprach mit Oberstapotheker Bernd Klaubert, Leitender Apotheker und Inspizient Wehrpharmazie der Bundeswehr und seit Januar 2026 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (DGWMP).
»Ohne Apotheken funktioniert es nicht«, stellte Klaubert klar. Aber damit die Arzneimittelversorgung auch in Krisenzeiten gewährleistet ist, erfordert das Thema mehr Aufmerksamkeit, mahnte der Oberstapotheker. Es brauche zudem ein neues Mindset. Als Lehre aus der Pandemie könne man zwar festhalten: »Deutschland ist generell gut aufgestellt.« Aber: »Wir haben verlernt, uns auf das Ungewohnte vorzubereiten«, so Klaubert. Und er mahnt: »Sind wir ehrlich zu allen, auch mit Blick auf den Nachwuchs, auf das, was kommen könnte?«
Es gelte, dem Worst Case ins Auge zu sehen. Dazu brauche es Konzepte. Mit Blick auf die Arzneimittelversorgung und die Apotheken fordert Klaubert, den Ernstfall zu proben. Es gehe darum, Übungen zu machen, das Personal auch auf Dienste zu unangenehmen Zeiten vorzubereiten, »aus der Normalität herauszubringen«.
Damit die Apotheke krisenresilient wird, muss Folgendes auch im Ernstfall gewährleistet sein: die Energieversorgung, genügend Personal. Man müsse wissen, wer welche Verantwortlichkeiten hat und welche Netzwerke zur Verfügung stehen, welcher Vorrat an Arzneimitteln notwendig ist. »Auch der apothekenübliche Vorrat verändert sich in der Krise«, so Klaubert mit Blick auf die geltenden Vorschriften zur Bevorratung.
Auf die Frage, ob die Resilienz der Arzneimittelversorgung ausreichend Bestandteil der Nationalen Sicherheitsstrategie sei, entgegnet Klaubert, das Thema sei zwar genannt, im geplanten Gesundheitssicherstellungsgesetz (GeSiG) fehle ihm der Aspekt Vorsorge aber.