Zuranolon|Zurzuvae™|71|2026 |
Biogen
| GABA-A-Rezeptor-Modulatoren |
20 mg Hartkapseln
25 mg Hartkapseln
30 mg Hartkapseln
Zurzuvae ist zugelassen zur Behandlung der postpartalen Depression (PPD) bei Erwachsenen.
Das neuroaktive Steroid Zuranolon wirkt als allosterischer Modulator an GABAA-Rezeptoren. Es ahmt die Wirkung von Allopregnanolon an GABAA-Rezeptoren nach und verstärkt die GABAerge Hemmung.
Zum Hintergrund: Allopregnanolon ist ein Metabolit des Progesterons. Während der Schwangerschaft steigt der Spiegel stetig an und erreicht im dritten Trimester Spitzenwerte, die nach der Entbindung steil abfallen. Man nimmt an, dass an der Entstehung der PPD wahrscheinlich hormonelle Veränderungen ursächlich beteiligt sind.
Eine Therapie mit Zuranolon dauert 14 Tage. Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg einmal täglich, also zwei Kapseln à 25 mg, die abends unzerkaut zu einer fettreichen Mahlzeit eingenommen werden.
40 mg (zwei 20-mg-Kapseln) werden empfohlen, wenn die Frau die 50-mg-Dosis nicht verträgt; auf 30 mg (eine 30-mg-Kapsel) soll die Tagesdosis gesenkt werden, wenn die Nierenfunktion mäßig bis stark oder die Leberfunktion stark eingeschränkt ist sowie bei gleichzeitiger Anwendung von starken CYP3A4-Inhibitoren.
Zuranolon wird hauptsächlich über CYP3A4 abgebaut. Daher muss die gleichzeitige Anwendung mit CYP3A4-Induktoren vermieden werden. Zu diesen gehören unter anderem Johanniskraut, Carbamazepin oder Efavirenz.
Bei gleichzeitiger Anwendung von starken CYP3A4-Inhibitoren muss die Zuranolon-Dosis reduziert werden. Grapefruit-haltige Lebensmittel und Getränke dürfen unter der Therapie nicht verzehrt beziehungsweise getrunken werden.
Alkohol und andere ZNS-dämpfende Wirkstoffe sind unter der Anwendung von Zuranolon zu meiden.
Infolge der zentral dämpfenden Wirkung von Zuranolon sind Somnolenz, Schwindel und Sedierung die häufigsten Nebenwirkungen. Auch Verwirrtheit kommt häufig vor und kann schwerwiegend sein. All dies schränkt die Fähigkeit zum Führen eines Fahrzeugs oder zum Bedienen von Maschinen ein, unter Umständen auch ohne dass die betroffene Frau das bemerkt. Patientinnen müssen deshalb darauf hingewiesen werden, dass sie mindestens zwölf Stunden nach der Einnahme jeder Zuranolon-Dosis keine potenziell gefährlichen Tätigkeiten ausüben dürfen.
Zuranolon ist in der Schwangerschaft kontraindiziert.
Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.
Ausschlaggebend für die Zulassung von Zurzuvae waren die Ergebnisse der Studie SKYLARK (217-PPD-301, NCT04442503), an der 195 Frauen mit PPD teilnahmen. Die Patientinnen wurden im Verhältnis 1:1 auf eine 14-tägige Therapie mit Zuranolon oder Placebo randomisiert. Anschließend wurden sie vier Wochen lang nachbeobachtet.
Bei Einschluss in die Studie mussten die Patientinnen einen Wert von ≥ 26 auf der 17 Items umfassenden Hamilton Depression Rating Scale (HAMD-17) aufweisen, was einem schweren depressiven Syndrom entspricht. Zudem mussten sie die DSM-5-Kriterien für eine schwere depressive Episode erfüllen. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der depressiven Symptomatik gegenüber dem Ausgangswert an Tag 15, gemessen anhand des HAMD-17-Gesamtscores.
Zuranolon war Placebo signifikant überlegen: Im Verumarm reduzierte sich der HAMD-17-Gesamtscore im Mittel um 15,6 Punkte, im Placeboarm nur um 11,6 Punkte (Differenz: 4,0 Punkte). Als sekundäre Endpunkte wurden die Veränderungen im HAMD-17-Gesamtscore an den Tagen 3, 28 und 45 erhoben. Auch hier zeigte sich eine statistisch signifikante Überlegenheit für Zuranolon – ein Zeichen für einen schnell einsetzenden und anhaltenden Effekt. Die entsprechenden Ergebnisse lauteten –9,5 versus –6,1 Punkte (Tag 3), –16,3 versus –13,4 Punkte (Tag 28) und –17,9 versus –14,4 Punkte (Tag 45).
Eine Wochenbettdepression oder auch postpartale Depression (PPD) ist eine der häufigsten Komplikationen rund um die Schwangerschaft. Bis zu 20 Prozent der Frauen leiden nach der Entbindung unter depressiven Symptomen. Dies hat für Mutter und Kind negative Auswirkungen: Betroffene Mütter beginnen seltener zu stillen und sind weniger dazu in der Lage, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Eine PPD kann mit Suizidalität einhergehen: Suizid ist mit etwa 20 Prozent die häufigste Todesursache bei Frauen nach der Entbindung.
Bislang wird eine PPD meist mit Standard-Antidepressiva behandelt. Die wochenlangen Latenzzeiten bis zum Wirkeintritt sind angesichts der möglichen negativen Folgen einer PPD auch für das Kind jedoch besonders ungünstig.
Zurzuvae ist bei Temperaturen nicht über 25 °C zu lagern.
Zurzuvae ist verschreibungspflichtig.
Zuranolon ist in der Schwangerschaft kontraindiziert. Patientinnen müssen während der Anwendung und für sieben Tage nach dem Absetzen zuverlässig verhüten.
Das Stillen soll während der Therapie mit Zuranolon unterbrochen werden, es sei denn, der Nutzen des Stillens überwiegt nach Einschätzung des Arztes die möglichen Risiken für das Kind.
Sprunginnovation
Letzte Aktualisierung: 14.08.2026