Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Sertralin|Zoloft®|71|1997

Datenschutz bei der PZ
STOFFGRUPPE
71 Psychopharmaka
WIRKSTOFF
Sertralin
FERTIGARZNEIMITTEL
Zoloft®
HERSTELLER

Pfizer

MARKTEINFÜHRUNG (D)
02/1997
DARREICHUNGSFORM

50 mg Filmtabletten

100 mg Filmtabletten

20 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen

Indikationen

Zoloft ist zugelassen zur Behandlung und zur Rezidivprophylaxe von Episoden einer Major-Depression. Darüber hinaus darf bei der Therapie von Panikstörungen mit oder ohne Agoraphobie angewendet werden.

 

Außerdem ist es zugelassen zur Behandlung von Zwangsstörungen bei Erwachsenen und pädiatrischen Patienten im Alter von 6 bis 17 Jahren, von sozialer Angststörung und von posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS).

Wirkmechanismus

Sertralin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Alle SSRI haben keine oder nur eine sehr geringe Affinität zu anderen Rezeptoren, zum Beispiel α1-, α2- , β-Adrenozeptoren, Dopamin- oder Histamin-Rezeptoren. Sie haben keine anticholinergen Effekte und lösen daher keine Obstipation oder trockenen Mund aus.

 

Sertralin interagiert zusätzlich mit ς-Rezeptoren. Es bindet relativ stark an diesen Opioidrezeptor-Subtyp und wirkt antagonistisch. Möglicherweise erklärt dies die gute Wirksamkeit bei wahnhaften Depressionen.

Anwendungsweise und -hinweise

Die Behandlung von Depressionen oder Angststörungen beginnt üblicherweise mit 50 mg Sertralin täglich.  Die Behandlung von Panikstörungen, PTBS und sozialen Angststörungen beginnt üblicherweise mit 25 mg Sertralin täglich. Nach einer Woche wird die Dosis auf 50 mg Sertralin täglich gesteigert.

 

In allen Anwendungsgebieten kann die Dosis in 50-mg-Schritten (frühestens nach jeweils einer Woche) auf maximal 200 mg täglich erhöht werden. In der Langzeittherapie sollte die niedrigste wirksame Dosis gewählt werden.

 

Die Dosierungsempfehlungen für Kinder können abweichen. Bei älteren Patienten sollte wegen des höheren Risikos für eine Hyponatriämie die Dosierung vorsichtig erfolgen.

 

Bei Patienten mit Lebererkrankung sollte Sertralin mit Vorsicht angewendet werden (niedrigere Dosierung, größere Intervalle bei Dosissteigerungen), bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung sollte es nicht angewendet werden.

 

Zoloft-Filmtabletten werden einmal täglich entweder morgens oder abends eingenommen. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

Wichtige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Sertralin und irreversiblen Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmern) oder Pimozid ist kontraindiziert. Patienten, die mit Sertralin behandelt werden, sollten auf Alkohol verzichten.

 

Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von Sertralin und anderen serotonergen Arzneistoffen. Zu diesen gehören Opiate wie Fentanyl und andere serotonerge Antidepressiva sowie Triptane oder Amphetamine. Ebenfalls unter Vorsicht erfolgen sollte die gleichzeitige Anwendung von Wirkstoffen, die das QT-Intervall verlängern, sowie die gleichzeitige Anwendung von Lithium, Phenytoin und Warfarin.

 

Die gleichzeitige Anwendung von NSAR oder TAH kann das Blutungsrisiko erhöhen. SSRI können die Wirkdauer von Muskelrelaxanzien verlängern. Sertralin kann CYP2D6 leicht bis mäßig hemmen. Daher kann es, insbesondere bei höheren Sertralin-Dosierungen, zu Wechselwirkungen mit CYP2D6-Substraten mit enger therapeutischer Breite kommen. Zu diesen gehören Antiarrhythmika der Klasse 1C wie Propafenon und Flecainid, trizyklische Antidepressiva und typische Psychopharmaka.

 

Patienten, die Sertralin einnehmen, sollten auf Grapefruitsaft verzichten. Bei Patienten, die Sertralin einnehmen, sollte auf die Anwendung starker CYP3A4-Hemmer möglichst verzichtet werden.

 

Im Vergleich zu schnellen Metabolisierern sind bei langsamen CYP2C19-Metabolisierern die Plasmaspiegel von Sertralin um etwa 50 % erhöht. Wechselwirkungen mit starken CYP2C19- Hemmern wie Omeprazol, Lansoprazol, Pantoprazol, Rabeprazol, Fluoxetin und Fluvoxamin können nicht ausgeschlossen werden.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen sind gruppenspezifisch und erklärbar durch Hemmung der Serotoninaufnahme: gastrointestinale Störungen, Unruhe und Schlafstörungen, Appetitminderung, Kopfschmerzen und sexuelle Funktionsstörungen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Die gleichzeitige Anwendung von Sertralin und irreversiblen Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmern) ist kontraindiziert, da die Gefahr eines Serotonin-Syndroms besteht. Dies äußert sich mit Symptomen wie Agitiertheit, Tremor und Hyperthermie. Die Behandlung mit Sertralin darf frühestens 14 Tage nach Beendigung der Behandlung mit einem irreversiblen MAO-Hemmer begonnen werden. Sertralin muss mindestens sieben Tage vor Beginn der Behandlung mit einem irreversiblen MAO-Hemmer abgesetzt werden. Ebenfalls kontraindiziert ist die gleichzeitige Einnahme von Pimozid.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Besonderheiten

Zoloft ist bei Temperaturen nicht über 30 °C zu lagern.

Zoloft ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Sertralin

Sertralin

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Sertralin.wrl

Weitere Hinweise

Die Einnahme von Sertralin während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich. Haben werdende Mütter Sertralin bis in spätere Stadien der Schwangerschaft, insbesondere bis ins dritte Trimenon angewendet, sollten deren Neugeborene hinsichtlich Absetzsymptomen beobachtet werden.

 

Bei Säuglingen, deren Mütter Sertralin während der Stillzeit angewendet haben, wurden bisher keine gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen beobachtet. Da ein Risiko jedoch nicht ausgeschlossen werden kann, wird die Einnahme in der Stillzeit nicht empfohlen, es sei denn, der behandelnde Arzt beurteilt den Nutzen der Behandlung höher als das Risiko.

Letzte Aktualisierung: 26.06.2018