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ARZNEISTOFFE

Upadacitinib|Rinvoq®|05|2020

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STOFFGRUPPE
05 Analgetika/Antirheumatika
WIRKSTOFF
Upadacitinib
FERTIGARZNEIMITTEL
Rinvoq®
HERSTELLER

Abbvie

MARKTEINFÜHRUNG (D)
02/2020
DARREICHUNGSFORM

15 mg Retardtabletten

Indikationen

Rinvoq ist zugelassen zur Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis (RA), wenn diese auf die Behandlung mit einem oder mehreren krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD) unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Rinvoq kann als Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat (MTX) angewendet werden.

Wirkmechanismus

Upadacitinib ist ein Januskinase-Hemmer. Januskinasen (JAK) sind intrazelluläre Enzyme, die Signale von Zytokinen und Wachstumsfaktoren weiterleiten, die an einer Vielzahl von zellulären Prozessen beteiligt sind, darunter Entzündungsreaktionen und Immunüberwachung. Die JAK-Enzymfamilie umfasst vier Mitglieder (JAK1, JAK2, JAK3 und TYK2), die paarweise Signaltransduktoren und Aktivatoren der Transkription (Signal Transducers and Activators of Transcription, STAT) phosphorylieren und dadurch aktivieren. Diese Phosphorylierung moduliert wiederum die Genexpression und Zellfunktion. Im Gegensatz zu den meisten Biologika, die ein einziges Zytokin binden, unterbrechen die JAK-Inhibitoren die Signalwirkung gleich mehrerer Interleukine, die für die Pathophysiologie der RA von Bedeutung sind. Daher werden sie auch als Multizytokin-Hemmer bezeichnet.

 

Tofacitinib, Baricitinib und Upadacitinib unterscheiden sich in ihrer Wirkung auf die unterschiedlichen JAK-Enzyme. Während Baricitinib seinen Schwerpunkt auf der Hemmung von JAK1 und JAK2 hat, liegt dieser im Fall von Tofacitinib und Upadacitinib auf JAK 1 und JAK3. Dass alle drei die hemmende Eigenschaft auf JAK1 in ihrem Profil haben, ist kein Zufall. Denn JAK1 ist für Signalwege von inflammatorischen Zytokinen von Bedeutung.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Upadacitinib beträgt einmal täglich 15 mg. Patienten können die Tabletten mit oder unabhängig von einer Mahlzeit zu einer beliebigen Uhrzeit einnehmen. Die Tabletten sind im Ganzen zu schlucken und dürfen nicht geteilt, zerdrückt oder zerkaut werden.

 

Die Behandlung sollte bei Patienten mit einer absoluten Lymphozytenzahl von weniger als 500 Zellen/mm3, einer absoluten Neutrophilenzahl von weniger als 1000 Zellen/mm3 oder einem Hämoglobinspiegel von weniger als 8 g/dl nicht begonnen werden. Patienten sollten während und nach Behandlung mit Upadacitinib immer engmaschig auf Anzeichen und Symptome einer Infektion überwacht werden. Wenn eine schwere Infektion auftritt, sollte die Behandlung unterbrochen werden, bis die Infektion unter Kontrolle ist. Vor Beginn und während einer Therapie mit dem neuen Wirkstoff sollte ein Screening auf eine virale Hepatitis und die Überwachung einer möglichen Reaktivierung erfolgen. Vor Therapiebeginn mit Upadacitinib ist zudem ein Tuberkulose-Screening durchzuführen.

 

Bei schwerer Niereninsuffizienz sollte die Anwendung des Wirkstoffs nur unter Vorsicht erfolgen.

Wichtige Wechselwirkungen

Upadacitinib sollte nicht mit anderen potenten Immunsuppressiva, etwa Ciclosporin, Azathioprin, Tacrolimus, Biologika oder anderen Januskinase-Hemmern, kombiniert werden, da das Risiko einer zusätzlichen immunsuppressiven Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann. Zudem wird die Anwendung von attenuierten Lebendimpfstoffen während oder unmittelbar vor einer Behandlung mit dem Kinasehemmer nicht empfohlen. Stattdessen wird empfohlen, den Impfstatus vor Therapiebeginn mit Upadacitinib zu überprüfen und alle erforderlichen Impfungen nachzuholen. Auch die prophylaktische Impfung gegen Herpes Zoster sollte an dieser Stelle bedacht werden.

 

Upadacitinib wird hauptsächlich durch das Enzym CYP3A4 metabolisiert und ist daher bei Patienten unter Langzeitbehandlung mit starken CYP3A4-Inhibitoren mit Vorsicht anzuwenden. Die Upadacitinib-Exposition ist bei gleichzeitiger Anwendung mit starken CYP3A4-Induktoren verringert, was zu einer abgeschwächten Wirkung führen kann. Veränderungen der Krankheitsaktivität von Patienten sollten überwacht werden, wenn Upadacitinib gleichzeitig mit starken CYP3A4-Induktoren angewendet wird.

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen in Studien zu Upadacitinib waren Infektionen der oberen Atemwege. Außerdem traten zum Beispiel Übelkeit, Fieber, Husten, Neutropenie und Hypercholesterolämie häufig auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Kontraindiziert ist Upadacitinib bei aktiver Tuberkulose beziehungsweise einer anderen aktiven schwerwiegenden Erkrankung, bei schwerer Leberinsuffizienz und in der Schwangerschaft.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Rinvoq stützt sich auf die Daten eines umfangreichen Studienprogramms, das knapp 4400 Teilnehmer mit RA in fünf Phase-III-Studien umfasst. In allen fünf Studien erreichte Upadacitinib die primären und gewichteten sekundären Endpunkte. An der größten Studie (SELECT-COMPARE) nahmen 1629 Patienten teil, deren Erkrankung mit MTX nicht zufriedenstellend kontrolliert wurde. Sie erhielten zusätzlich zu MTX entweder täglich 15 mg Upadacitinib, wöchentlich 40 mg Adalimumab oder Placebo. Upadacitinib plus MTX zeigte signifikant höhere Remissionsraten, definiert als DAS 28 (CRP) ≤ 2,6. In dieser Gruppe wurde dieser Endpunkt bei 29 Prozent der Patienten erreicht. Im Vergleich dazu wurde der DAS 28 (CRP) ≤ 2,6 unter Adalimumab plus MTX beziehungsweise Placebo plus MTX bei 18 sowie 6 Prozent der Patienten erreicht. Niedrige Krankheitsaktivität, definiert als DAS 28 (CRP) ≤ 3,2, wurde in den drei Gruppen bei 45, 29 und 14 Prozent der Patienten erzielt.

 

In den anderen Studien des SELECT-Programmes kam Upadacitinib entweder als Monotherapie oder in Kombination mit DMARD zum Einsatz. DAS 28 (CRP) ≤ 2,6 erreichten unter Verum zwischen 28 und 48 Prozent der Patienten, DAS 28 (CRP) ≤ 3,2 zwischen 43 und 60 Prozent.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Rinvoq sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten. Die Behältnisse sind gut verschlossen zu halten, um das Arzneimittel vor Feuchtigkeit zu schützen.

Rinvoq ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Kontraindiziert ist Upadacitinib bei aktiver Tuberkulose beziehungsweise einer anderen aktiven schwerwiegenden Erkrankung, bei schwerer Leberinsuffizienz und in der Schwangerschaft.

 

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Anwendung von Upadacitinib und nach Beendigung der Behandlung für vier Wochen zuverlässig verhüten. Stillende sollten das neue Medikament nicht erhalten.

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Letzte Aktualisierung: 10.03.2020