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ARZNEISTOFFE

Certolizumab Pegol|Cimzia®|05|2009

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STOFFGRUPPE
05 Analgetika/Antirheumatika
WIRKSTOFF
Certolizumab Pegol
FERTIGARZNEIMITTEL
Cimzia®
HERSTELLER

UCB

MARKTEINFÜHRUNG (D)
11/2009
DARREICHUNGSFORM

200 mg Injektionslösung in einem Fertigpen

200 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze

200 mg Injektionslösung in einer Patrone für ein Dosiergerät

Indikationen

Cimzia ist in Kombination mit Methotrexat (MTX) zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis (RA) von Erwachsenen zugelassen, die auf lang wirksame Antirheumatika einschließlich MTX nicht angesprochen haben. Als Monotherapie darf Certolizumab Pegol eingesetzt werden, wenn eine Unverträglichkeit gegenüber MTX vorliegt oder eine Fortsetzung der Behandlung mit MTX ungeeignet ist.

 

Cimzia ist unter bestimmten Voraussetzungen außerdem zugelassen zur Behandlung der axialen Spondyloarthritis einschließlich der ankylosierenden Spondyloartritis (AS) sowie der Psoriasis-Arthritis und der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis.

Wirkmechanismus

Certolizumab Pegol ist ein pegylierter monoklonaler Antikörper gegen den Tumornekrosefaktor-α (TNF-α). Im Gegensatz zu den konventionellen Antikörpern besitzt Certolizumab Pegol kein Fc-Fragment, sondern besteht nur aus einem pegylierten Fab-Fragment. Bildlich gesprochen: das »Bein« des Ypsilon-förmigen Antikörpers wurde entfernt; übrig bleiben die »Arme« (Fab-Fragment). Hintergrund ist folgender: Die Fc-Region führt in vitro zum programmierten Zelltod von Mono- und Lymphozyten sowie zur Komplementaktivierung und zur antikörperabhängigen zellvermittelten Schädigung von Zellen (Zytotoxizität). Von dem fehlenden Fc-Teil verspricht man sich daher unter Certolizumab weniger Nebenwirkungen und Antikörperbildungen. Als Fab-Fragment wäre das Molekül jedoch nicht stabil genug, um ausreichend hohe Serumspiegel aufzubauen. Daher wurde es mit zwei Polyethylenketten modifiziert, was zu einem langsameren Abbau und dementsprechend zu einer längeren Halbwertszeit führt. Diese beträgt bei Certolizumab Pegol rund zwei Wochen.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 400 mg Certolizumab Pegol in zwei Injektionen an einem Tag. Zwei und vier Wochen später folgt jeweils eine weitere 400-mg-Dosis, danach eine 200-mg-Erhaltungsdosis.

 

Cimzia wurde zunächst zur subkutanen Injektion mithilfe einer Fertigspritze zugelassen. Später kamen eine Injektionslösung in einem Fertigpen und eine Injektionslösung in einer Patrone für ein Dosiergerät hinzu. Nach entsprechender Einweisung kann sich der Patient den Wirkstoff auch selbst spritzen. Laut Hersteller ist die Fertigspritze so gestaltet, dass RA-Patienten sie ohne Anstrengung halten und den Inhalt injizieren können.

 

TNF-α-Antagonisten wie Certolizumab Pegol können eine Immunsuppression verursachen. Daher müssen die Patienten während und nach der Behandlung engmaschig auf Infektionen überwacht werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Certolizumab Pegol mit anderen in der Rheumatherapie üblichen Biologika wie Anakinra, Abatacept oder Etanercept wird nicht empfohlen. Ein mögliches Risiko für das Auftreten von Lymphomen oder anderen bösartigen Erkrankungen kann nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der fehlenden Datenlage sollten Lebendimpfstoffe oder abgeschwächte Impfstoffe nicht gleichzeitig mit Certolizumab Pegol verabreicht werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in den Studien zu Cimzia waren bakterielle und virale Infektionen sowie parasitäre Erkrankungen (14,4 Prozent Certolizumab Pegol, 8,0 Prozent Placebo) sowie Fieber, Schmerzen und Reaktionen an der Injektionsstelle (8,8 Prozent Certolizumab Pegol, 7,4 Prozent Placebo). Die schwerwiegendsten Nebenwirkungen waren schwere Infektionen (einschließlich Tuberkulose und Histoplasmose), Malignome (einschließlich Lymphome) und Herzversagen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit Tuberkulose oder anderen schweren Infektionen wie Sepsis oder Abszessen sowie bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Herzinsuffizienz ist Certolizumab Pegol kontraindiziert.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Cimzia beruht auf den beiden internationalen doppelblinden placebokontrollierten Phase-III-Studien RAPID 1 und RAPID 2. Certolizumab Pegol reduzierte in beiden Studien signifikant das Fortschreiten der Gelenkschäden und verbesserte die körperliche Funktionsfähigkeit. Insgesamt waren mehr als 1600 Patienten eingeschlossen. In beiden Studien wurde Certolizumab mit Methotrexat für mindestens sechs Monate kombiniert. Dabei betrug die wöchentliche MTX-Dosis mindestens 10 mg für zwei Monate. In beiden Studien wurden ab der ersten beziehungsweise ab der zweiten Woche signifikant höhere Ansprechraten erreicht als unter Placebo. Diese konnten über 52 Wochen (RAPID 1) und 24 Wochen (RAPID 2) aufrechterhalten werden. Eine offene Verlängerungsstudie von RAPID 1 zeigte zudem, dass bei Patienten, die auf die Antikörperbehandlung angesprochen hatten, die Verbesserungen über zwei Jahre anhielten. Radiologische Untersuchungen in den Wochen 16, 24 und 52 Wochen dieser Patienten zeigten zudem, dass die Progredienz der Gelenkschäden aufgehalten wurde.

Besonderheiten

Alle Zubereitungsformen von Cimzia sind im Kühlschrank (2–8°C) sowie unter Lichtschutz (Originalverpackung) zu lagern und dürfen nicht einfrieren. Sie können für einen einmaligen Zeitraum von maximal zehn Tagen vor Licht geschützt bei Raumtemperatur (bis zu 25 °C) gelagert werden. Am Ende dieses Zeitraums müssen sie verwendet oder entsorgt werden.
Cimzia ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während und bis mindestens fünf Monate nach Beendigung der Therapie mit Certolizumab Pegol geeignete Verhütungsmethoden anwenden.


Eine Anwendung von Certolizumab Pegol während der Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen.

Letzte Aktualisierung: 03.04.2019