Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Tocilizumab|RoActemra®|05|2009

Datenschutz bei der PZ
STOFFGRUPPE
5 Analgetika/Antirheumatika
WIRKSTOFF
Tocilizumab
FERTIGARZNEIMITTEL
RoActemra®
HERSTELLER

Roche Chugai

MARKTEINFÜHRUNG (D)
02/2009
DARREICHUNGSFORM

20 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (i.v.)

162 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze (s.c.)

Indikationen

RoActemra ist als Infusion, in Kombination mit Methotrexat (MTX), für die Behandlung Erwachsener mit schwerer, aktiver und progressiver rheumatoider Arthritis (RA), die zuvor nicht mit MTX behandelt worden sind, zugelassen sowie als Infusion oder subkutane Injektion für Patienten mit mäßiger bis schwerer aktiver RA, die unzureichend auf eine vorangegangene Behandlung mit einem oder mehreren krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (Disease-modifying antirheumatic drugs, DMARDs) oder Tumornekrosefaktor-(TNF)-Hemmern angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Tocilizumab kann bei diesen Patienten auch als Monotherapie verabreicht werden, falls eine MTX-Unverträglichkeit vorliegt oder eine Fortsetzung der Therapie mit MTX unangemessen erscheint.

Wirkmechanismus

Mehrere Zytokine sind am Entzündungsgeschehen bei der rheumatoiden Arthritis (RA) beteiligt. Eine Schlüsselrolle spielt das Interleukin-6 (IL-6), ein pleiotropes, proinflammatorisches Zytokin, das von einer Vielzahl verschiedener Zelltypen produziert wird. Unter anderem ist IL-6 an der T-Zell-Aktivierung und Induktion der Sekretion von Immunglobulinen beteiligt. Tocilizumab bindet spezifisch sowohl an lösliche als auch an membrangebundene IL-6-Rezeptoren. Hierdurch wird die entzündungsfördernde Wirkung von IL-6 gehemmt.

Anwendungsweise und -hinweise

Als etwa einstündige Infusion wird Tocilizumab einmal alle vier Wochen verabreicht. Die empfohlene Dosierung beträgt 8 mg pro kg Körpergewicht, aber nicht weniger als 480 mg. Dosierungen über 1200 mg sind nicht untersucht worden. Als subkutane Injektion beträgt die empfohlene Dosierung 162 mg einmal pro Woche.

 

Bei älteren Patienten und im Falle leichter Nierenfunktionsstörungen muss die Dosis nicht angepasst werden. Bei Patienten mit schwereren Nierenproblemen sollte der Arzt die Nierenfunktion sorgfältig überwachen, wenn er Tocilizumab einsetzt.

Wichtige Wechselwirkungen

Zytokine wie IL-6 unterdrücken die Bildung hepatischer CYP-450-Enzyme. Daher ist zu erwarten, dass sich die Bildung dieser Enzyme normalisiert, wenn eine Behandlung zur Zytokin-Hemmung, etwa mit Tocilizumab, eingeleitet wird. In-vitro-Studien zeigten zum Beispiel, dass der Wirkstoff die Expression der Enzyme CYP-1A2, CYP-2C9, CYP-2C19 und CYP-3A4 normalisiert. Wenn eine Therapie mit Tocilizumab begonnen oder beendet wird, sollten Patienten sorgfältig überwacht werden, wenn sie Arzneimittel einnehmen, für die die Dosis individuell angepasst wurde und die durch eines dieser Enzyme metabolisiert werden. Zum Beispiel bei Atorvastatin, Theophyllin, Warfarin, Phenytoin und Ciclosporin könnten Dosisanpassungen erforderlich sein, um eine therapeutische Wirkung zu erzielen.

Nebenwirkungen

Zu den in den Studien zu Tocilizumab am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen zählten unter anderem Infektionen des oberen Respirationstraktes, Nasopharyngitis, Kopfschmerzen sowie Bluthochdruck.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Eine Behandlung mit Tocilizumab darf bei Patienten mit aktiven Infektionen nicht beginnen. Falls im Verlauf der Therapie bei einem Patienten eine schwerwiegende Infektion auftritt, ist die Therapie abzubrechen, bis die Infektion unter Kontrolle gebracht wurde.

 

Laut Fachinformation müssen Ärzte bei der Anwendung von Tocilizumab noch weitere besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen beachten. Diese beziehen sich beispielsweise auf das Vorliegen einer Lebererkrankung, eine mögliche Tuberkulose-Infektion und das Herz-Kreislauf-Risiko.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Wirksamkeit von Tocilizumab in Hinblick auf eine Linderung von Anzeichen und Symptomen einer RA wurde in fünf randomisierten und multizentrischen Doppelblindstudien untersucht. Eingeschlossen waren darin mehr als 3000 erwachsene Patienten mit aktiver RA, die mindestens acht druckempfindliche und sechs geschwollene Gelenke aufwiesen.

In einer Studie wurde die Tocilizumab-Monotherapie mit einer MTX-Monotherapie verglichen. In drei weiteren Studien wurde Tocilizumab in Kombination mit MTX gegen die Kombination aus Placebo und MTX getestet. In der fünften Studie stand die Gabe von Tocilizumab zusammen mit einem anderen DMARD versus Placebo plus DMARD auf dem Prüfstand. In allen Studien war der primäre Endpunkt die Anzahl der Patienten, die nach sechs Monaten auf die Therapie angesprochen haben. Definiert war das Ansprechen als mindestens 20-prozentige Abnahme des Punktwerts auf einer üblichen Bewertungsskala für die Schwere der Symptome einer RA. Das Ergebnis: In allen Studien hatten Patienten, die mit 8 mg/kg KG Tocilizumab behandelt wurden, ein statistisch signifikant höheres Ansprechen im Vergleich zu denen in der Kontrollgruppe. Auch die Überlegenheit einer Tocilizumab-Monotherapie gegenüber der MTX-Monotherapie konnte bestätigt werden.

Besonderheiten

RoActemra ist im Kühlschrank (2 bis 8 °C) lagern. Nicht einfrieren. Die Fertigspritzen sollten außerdem im Umkarton (Lichtschutz) aufbewahrt werden.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Tocilizumab und während drei Monaten danach eine Schwangerschaft zuverlässig verhüten. Während einer Schwangerschaft sollte Tocilizumab nicht angewendet werden, es sein denn, es ist eindeutig erforderlich. Während der Stillzeit sollte eine Entscheidung getroffen werden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Tocilizumab unterbrochen werden soll.

Letzte Aktualisierung: 15.10.2015