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ARZNEISTOFFE

Romiplostim|Nplate®|16|2009

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STOFFGRUPPE
16 Antihämorrhagika (Antifibrinolytika und andere Hämostatika)
WIRKSTOFF
Romiplostim
FERTIGARZNEIMITTEL
Nplate®
HERSTELLER

Amgen

MARKTEINFÜHRUNG (D)
05/2009
DARREICHUNGSFORM

250 Mikrogramm Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung
500 Mikrogramm Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

Indikationen

Nplate ist zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit immun-(idiopathischer)thrombozytopenischer Purpura (ITP) (siehe Hintergrundinfos), die zuvor bereits Glucocorticoide oder Immunglobuline erhalten haben und denen die Milz entfernt wurde, wenn sie auf diese Therapien nicht ansprachen. Ferner kann Romiplostim als Second-Line-Therapie für erwachsene, nicht splenektomierte Patienten in Betracht gezogen werden, bei denen die Entfernung der Milz kontraindiziert ist.

Wirkmechanismus

Romiplostim wird mittels rekombinanter DNA-Technologie in E. coli hergestellt und ist ein Fc-Peptid-Fusionsprotein, das intrazelluläre Transkriptionsprozesse über den Signalweg des Thrombopoietin-Rezeptors zur Steigerung der Thrombozytenproduktion aktiviert. Romiplostim bindet an dieselben Rezeptoren wie Thrombopoietin, stimuliert diese und regt so die Bildung von Thrombozyten an.

Anwendungsweise und -hinweise

Romiplostim wird einmal wöchentlich subkutan appliziert. Nach Applikation von 3 bis 15 µg/kg KG werden maximale Serumkonzentrationen im Mittel nach 14 Stunden erreicht. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 1 µg/kg Körpergewicht. Die wöchentliche Dosis sollte so lange in Schritten von 1 µg/kg erhöht werden, bis eine Thrombozytenzahl von mindestens 50 x 109/l erreicht ist. Die Thrombozytenzahlen sollten so lange wöchentlich bestimmt werden, bis eine stabile Zahl (≥ 50 x 109/l für mindestens vier Wochen ohne Dosisanpassung) erreicht wurde. Steigt die Thrombozytenzahl zu stark an, muss der Arzt die Behandlung unterbrechen. Die maximale Dosis beträgt 10 µg/kg KG pro Woche. Wenn nach vierwöchiger Behandlung mit dieser Dosis die Blutplättchenzahl noch immer nicht hoch genug ist, um die Blutungsgefahr zu verringern, sollte der Arzt die Therapie mit Romiplostim abbrechen. Zu beachten ist, dass nach Absetzen von Romiplostim ein erneutes Auftreten einer Thrombozytopenie wahrscheinlich ist, das Blutungsrisiko also steigt.

Nebenwirkungen

Mehr als 90 Prozent aller Patienten, die in Studien Romiplostim erhielten, entwickelten Nebenwirkungen. Sehr häufig klagten sie über Kopfschmerzen. Häufig kam es zum Beispiel zu gastrointestinalen Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, Knochen- und Muskelschmerzen, Reaktionen an der Injektionsstelle, Juckreiz sowie Knochenmarkstörungen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz sollte Romiplostim nur unter Vorsicht zum Einsatz kommen. Aufgrund nicht ausreichender Daten zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit ist Romiplostim nicht zugelassen für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Romiplostim stützt sich auf zwei placebokontrollierte Doppelblindstudien mit erwachsenen Patienten, die an chronischer ITP litten. Die erste Studie umfasste 63 splenektomierte Patienten, deren Erkrankung trotz Operation noch immer nicht beherrschbar war. An der zweiten Studie nahmen 62 Patienten mit noch vorhandener Milz teil, die bereits eine Behandlung gegen ITP erhalten hatten, diese aber nicht vertrugen beziehungsweise nur ungenügend darauf ansprachen. Hauptindikator für die Wirksamkeit war in beiden Studien die Anzahl der Patienten, die langfristig auf die Behandlung ansprachen. Das Ansprechen wurde als Thrombozytenzahl von ≥ 50 x 109/l über mindestens sechs der letzten acht Wochen des 24-wöchigen Behandlungszeitraums ohne einen Bedarf an anderen Arzneimitteln gegen ITP definiert. Es wird davon ausgegangen, dass bei einer Blutplättchenzahl unter 30 x 109/l ein Risiko von Blutungen besteht. Der Normalwert liegt zwischen 150 und 400 x 109/l.

 

In beiden Studien erhöhte Romiplostim die Blutplättchenzahl wirksamer als Placebo. In der Studie mit den splenektomierten Patienten sprachen 38 Prozent  der Patienten (16 von 42) langfristig auf das Verum an. Das konnte unter Placebo bei keinem der 21 Patienten beobachtet werden. In der Studie mit Patienten, die noch über eine Milz verfügten, sprachen 61 Prozent der Patienten (25 von 41) langfristig auf Romiplostim an, unter Placebo nur einer von 21 ITP-Patienten.

Hintergrundinfos

Immunthrombozytopenie: Die seltene Autoimmunerkrankung Immunthrombozytopenie (ITP) ist auch unter den Bezeichnungen chronische idiopathische thrombozytopenische Purpura und Morbus Werlhof bekannt. Bei dieser Erkrankung kommt es zur Antikörperbildung gegen Thrombozyten. Diese binden an die Blutplättchen, was Immunzellen, vor allem Makrophagen in der Milz, auf den Plan ruft. Sie greifen die Thrombozyten an und zerstören sie. Die Gründe für den Ausbruch der Erkrankung sind noch nicht geklärt. Diskutiert werden eine Verbindung mit Infekten, Medikamenten (etwa Heparinen, Sulfonamiden, Chinin und Chinidin, Salicylaten), bösartigen Lymphomen, anderen Autoimmunkrankheiten oder HIV. Typische Symptome vom Morbus Werlhof sind flohstichartige Hauteinblutungen (Petechien), verstärkte Blutungen bei kleinen Verletzungen und blaue Flecken. Jährlich erkranken schätzungsweise 2000 Erwachsene in Deutschland an ITP. Glucocorticoide oder Immunglobuline, richten sich vor allem gegen den Abbau der Blutplättchen. Romiplostim steigert den Nachschub an Thrombozyten.

Besonderheiten

Nplate ist im Kühlschrank (2 bis 8 °C) sowie in der Originalverpackung (Lichtschutz) zu lagern und darf nicht einfrieren.
Nplate kann vorübergehend aus dem Kühlschrank entnommen und für maximal 24 Stunden bei Raumtemperatur (bis zu 25 °C) gelagert werden.
Nplate ist verschreibungspflichtig.

Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):
www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/000942/WC500039534.pdf

 

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:
www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/000942/WC500039537.pdf

 

Infoseite zur Immunthrombozytopenie (ITP):
www.itp-information.de

Weitere Hinweise

Bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, und in der Schwangerschaft sollte Romiplostim nicht angewendet werden. In der Stillzeit muss entschieden werden, ob die Behandlung mit Romiplostim oder das Stillen unterbrochen werden soll.

Letzte Aktualisierung: 06.10.2015