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ARZNEISTOFFE

Eftrenonacog alfa|Alprolix®|16|2016

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STOFFGRUPPE
16 Antihämorrhagika (Antifibrinolytika und andere Hämostatika)
WIRKSTOFF
Eftrenonacog alfa
FERTIGARZNEIMITTEL
Alprolix®
HERSTELLER

Biogen Idec

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2016
DARREICHUNGSFORM

250 I. E. Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung

500 I. E. Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung

1000 I. E. Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung

2000 I. E. Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung

3000 I. E. Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung

Indikationen

Alprolix ist zugelassen zur Behandlung von Patienten mit Hämophilie B.

Es kann bei Hämophilie-B-Patienten aller Altersgruppen verwendet werden, wobei zum Einsatz bei zuvor unbehandelten Patienten noch keine und bei solchen ab 65 nur begrenzte Daten vorliegen.

Wirkmechanismus

Bei Eftrenonacog alfa wurde die Halbwertszeit des Blutgerinnungsfaktors durch kovalente Bindung an ein Protein verlängert. Als Fusionspartner dient die Fc-Domäne des humanen Immunglobulins G1. Mit der Fc-Domäne bindet IgG1 an den membranständigen neonatalen Fc-Rezeptor, der lebenslang exprimiert wird und den Schutz von Immunglobulinen vor lysosomalem Abbau vermittelt. Somit ist Eftrenonacog alfa vor diesem Abbau geschützt. Hersteller Biogen Idec nutzt dieses Prinzip bereits bei seinem Faktor-VIII-Präparat Efmoroctocog alfa (Elocta®).

Anwendungsweise und -hinweise

Die zur Prophylaxe empfohlene Dosis beträgt 50 I. E./kg KG einmal wöchentlich oder 100 I. E./kg KG alle zehn Tage, bei Kindern unter zwölf 50 bis 60 I. E. alle sieben Tage. Die Dosis und gegebenenfalls das Dosisintervall sind im Verlauf der Therapie an den individuellen Bedarf anzupassen.

 

Wie auf jedes Fremdeiweiß können Patienten auch auf Eftrenonacog alfa allergisch reagieren. Dies war in Studien eine seltene Nebenwirkung, die aber unter Umständen schwer verlaufen kann. Im Fall einer allergischen Reak­tion muss die Therapie sofort abgebrochen und ein Arzt aufgesucht werden. Als Vorsichtsmaßnahme sollte die erste Gabe des Arzneimittels unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Später können die Patienten oder deren Eltern die Behandlung nach einer Schulung selbstständig zu Hause durchführen.

Nebenwirkungen

Wie auf jedes Fremdeiweiß können Patienten auch auf Eftrenonacog alfa allergisch reagieren. Dies war in Studien eine seltene Nebenwirkung, die aber unter Umständen schwer verlaufen kann. Im Fall einer allergischen Reaktion muss die Therapie sofort abgebrochen und ein Arzt aufgesucht werden. Als Vorsichtsmaßnahme sollte die erste Gabe des Arzneimittels unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Später können die Patienten oder deren Eltern die Behandlung nach einer Schulung selbstständig zu Hause durchführen.

 

Da es unter Eftrenonacog alfa zur Bildung von Hemmkörpern kommen kann, sollen Patienten nach wiederholter Gabe darauf überwacht werden. Eine allergische Reaktion kann auf die Anwesenheit von Hemmkörpern hindeuten, und auch anders herum haben Patienten, die Hemmkörper entwickelt haben, ein erhöhtes Anaphylaxie-Risiko bei fortgesetzter Behandlung.

 

Wegen der Möglichkeit einer Thromboembolie ist bei Patienten mit erhöhtem diesbezüglichem Risiko Vorsicht geboten. Dazu gehören unter anderem Menschen mit Lebererkrankungen, nach Operationen und Neugeborene.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Zulassungsrelevant waren eine als Studie I bezeichnete Phase-III-Studie mit 123 Patienten im Alter zwischen 12 und 71 Jahren sowie die pädiatrische Studie II mit 30 Unter-Zwölfjährigen. Alle Patienten waren vorbehandelt und litten an schwerer Hämophilie B, wiesen also höchstens 2 Prozent der endogenen Faktor-IX-Aktivität auf. In Studie I erhielten die Probanden über 77 Wochen Alprolix entweder einmal wöchentlich oder in einem individualisierten Dosisintervall, beginnend mit einem Zeitraum von zehn Tagen zwischen den Injektionen, oder bei Bedarf. Die Anfangsdosen betrugen im ersten Arm 50 I. E. pro kg Körpergewicht und im zweiten das Doppelte. Die medianen annualisierten Blutungsraten betrugen 2,95 unter wöchentlicher Gabe, 1,38 bei individualisiertem Dosisintervall und 17,69 bei Bedarfstherapie. Insgesamt kam es in der Studie zu 636 Blutungsereignissen, von denen 90,4 Prozent mit einer einmaligen Injektion von Alprolix kontrolliert werden konnten und 97,3 Prozent mit zwei oder weniger Injektionen. Studie II dauerte 52 Wochen, in denen die Patienten nach einem individualisierten Dosierungsschema behandelt wurden. Zu Beginn erhielten alle Kinder in wöchentlichem Rhythmus 50 bis 60 I. E. Eftrenonacog alfa pro kg Körpergewicht, die Anpassung erfolgte dann bis maximal 100 I. E. pro kg KG mindestens ein- bis höchstens zweimal wöchentlich. Die annualisierte Blutungsrate betrug hier 1,97; bei 33 Prozent der Teilnehmer trat keine Blutungsepisode auf. Von den 60 in Studie II beobachteten Blutungsereignissen konnten 75 Prozent mit einer Injektion und 91,7 Prozent mit höchstens zwei Injektionen kontrolliert werden.

Besonderheiten

Alprolix ist im Kühlschrank bei 2–8 °C und im Umkarton zu lagern.

 

Vor der Rekonstitution kann das Arzneimittel einmalig für bis zu sechs Monate bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Die rekonstituierte Lösung ist klar bis schwach schillernd und farblos und muss verworfen werden, wenn sie trübe ist oder Ablagerungen sichtbar sind. Sie ist bei Raumtemperatur sechs Stunden stabil, sollte aber unmittelbar verbraucht werden, um eine mikrobiologische Kontamination zu vermeiden.

 

Alprolix ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Weil Hämophilie B bei Frauen nur sehr selten auftritt, waren alle Teilnehmer der Zulassungsstudien männlich. Es gibt folglich keine Erfahrungen zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit, weshalb diese nur bei eindeutiger Indikationsstellung erfolgen soll.

Vorläufige Bewertung

Schrittinnovation

Letzte Aktualisierung: 11.07.2016