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ARZNEISTOFFE

Verteporfin (C + D)|Visudyne®|67|2000

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STOFFGRUPPE
67 Ophthalmika
WIRKSTOFF
Verteporfin
FERTIGARZNEIMITTEL
Visudyne®
HERSTELLER

Novartis Pharma

MARKTEINFÜHRUNG (D)
09/2000
DARREICHUNGSFORM

15 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Visudyne ist zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit exsudativer (feuchter)
altersbezogener Makuladegeneration (AMD) mit vorwiegend klassischen Neovaskularisationen (CNV und von Erwachsenen mit subfovealen CNV infolge pathologischer Myopie.

Wirkmechanismus

Der Fotosensibilisator Verteporfin besitzt ein Benzoporphyrin-Ringsystem und liegt in zwei gleich aktiven Regioisomeren vor. Der liposomal verkapselte Wirkstoff bindet im Plasma zu 90 Prozent an Lipidfraktionen (LDL) und reichert sich in schnell proliferierenden Zellen einschließlich des Endothels der neu gebildeten Gefäße im Auge an. Diese Aufnahme wird durch LDL-Rezeptoren vermittelt. Durch anschließende punktgenaue Lichtaktivierung bei 689 +/- 3 nm über 83 Sekunden wird das in den Läsionen angesammelte Verteporfin angeregt, das seine Energie auf Sauerstoff überträgt. Der entstehende Singulett-Sauerstoff löst innerhalb seiner Diffusionsreichweite Zellschäden bis hin zum Zelltod aus. Dadurch können die Gefäßwucherungen, die die AMD charakterisieren, zerstört werden.

Anwendungsweise und -hinweise

Nach Auflösen in Wasser für Injektionszwecke und Glucose-Lösung wird Verteporfin in die Armvene infundiert (6 mg/m² Körperoberfläche). Durch anschließende punktgenaue Lichtaktivierung bei 689 +/- 3 nm über 83 Sekunden wird das in den Läsionen angesammelte Verteporfin angeregt, das seine Energie auf Sauerstoff überträgt. Der entstehende Singulett-Sauerstoff löst innerhalb seiner Diffusionsreichweite Zellschäden bis hin zum Zelltod aus. Dadurch können die Gefäßwucherungen, die die AMD charakterisieren, zerstört werden.

 

Bis 48 Stunden nach Infusion müssen die Patienten direktes Sonnenlicht und helles künstliches Licht meiden (Kleidung, Spezialschutzbrille). Die normale Innenraumbeleuchtung ist unproblematisch; gefährlich können aber hoch energetische Leuchten werden, wie sie zum Beispiel beim Zahnarzt oder in OP-Sälen verwendet werden. Wichtig: UV-Sonnenschutzmittel schützen nicht.

Wichtige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Verwendung anderer fotosensibilisierender Arzneimittel kann möglicherweise die Lichtempfindlichkeit verstärken. Zu diesen gehören beispielsweise Tetracycline, Sulfonamide und Thiazid-Diuretika.

 

Wirkstoffe, die das Gefäßendothel verändern, können bei gleichzeitiger Anwendung theoretisch zu einer erhöhten Gewebeaufnahme von Verteporfin führen. Zu diesen gehören Calciumkanalblocker und Polymyxin B sowie eine Strahlentherapie. Klinische Belege gibt es hierzu jedoch nicht.

 

Klinische Belege fehlen auch zu einer weiteren denkbaren Wechselwirkung. So weisen theoretisch ermittelte Daten darauf hin, dass Antioxidanzien, wie etwa Beta-Carotin, oder Arzneimittel, die freie Radikale fangen, wie etwa Dimethylsulfoxid (DMSO), Formiate, Mannitol oder Alkohol, die aktivierten Sauerstoffspezies, die durch Verteporfin gebildet werden, neutralisieren können. Dies führt zu einer abgeschwächten Wirksamkeit von Verteporfin.

 

Da ein Blutgefäßverschluss der wichtigste Wirkmechanismus von Verteporfin ist, besteht theoretisch die Möglichkeit, dass Substanzen wie Vasodilatatoren oder solche, die die Blutgerinnung und Thrombozytenaggregation vermindern, der Wirkung von Verteporfin entgegensteuern.

Nebenwirkungen

Die Therapie mit Verteporfin wird relativ gut vertragen. Allerdings können im Anschluss an die Visudyne-Behandlung vorübergehende Sehstörungen wie abnormales Sehen, Visusverschlechterung oder Gesichtsfelddefekte auftreten, die die Fähigkeit Auto zu fahren oder Maschinen zu bedienen beeinträchtigen können. Patienten sollten daher nicht Auto fahren oder Maschinen bedienen, solange diese Symptome anhalten.

 

Bis 48 Stunden nach Infusion müssen die Patienten außerdem direktes Sonnenlicht und helles künstliches Licht meiden (Kleidung, Spezialschutzbrille). Die normale Innenraumbeleuchtung ist unproblematisch; gefährlich können aber hoch energetische Leuchten werden, wie sie zum Beispiel beim Zahnarzt oder in OP-Sälen verwendet werden. Wichtig: UV-Sonnenschutzmittel schützen nicht.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Visudyne ist kontraindiziert bei Patienten mit Porphyrie oder schwerer Leberfunktionsstörung.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In zwei großen multizentrischen Studien (TAP-Studie) wurden 609 AMD-Patienten mit Verteporfin oder Placebo fotodynamisch behandelt. Nach einem Jahr mit mehreren Behandlungen sprachen signifikant mehr Patienten auf die Verumtherapie als auf Placebo an. Bei 61 versus 46 Prozent blieb die Sehschärfe erhalten, bei 16 versus 7 Prozent verbesserte sie sich sogar leicht. Die günstigen Effekte waren auch nach zwei Jahren nachweisbar. Außerdem zeigten die Verumpatienten ein langsameres Läsionswachstum, weniger Leckagen und besseres Kontrastsehen. Die durchschnittliche Zahl der Behandlungen sank von 3,4 im ersten auf 2,1 im zweiten Jahr.

Besonderheiten

Visudyne ist bei Temperaturen nicht über 25 °C sowie vor Licht geschützt (Umkarton) zu lagern.

Visudyne ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Verteporfin (C + D)

Verteporfin (C + D)

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

verteporfin_C.wrl

Weitere Hinweise

Verteporfin darf während der Schwangerschaft nicht verwendet werden, es sei denn, es ist zwingend erforderlich. Verteporfin sollte bei stillenden Müttern nicht angewendet werden. Andernfalls sollte für 48 Stunden nach der Applikation nicht gestillt werden.

Letzte Aktualisierung: 12.07.2017