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ARZNEISTOFFE

Ivacaftor|Kalydeco|28|2012

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STOFFGRUPPE
28 Bronchospasmolytika/Antiasthmatika und andere Mittel für den Respirationstrakt
WIRKSTOFF
Ivacaftor
FERTIGARZNEIMITTEL
Kalydeco
HERSTELLER

Vertex Pharmaceuticals

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2012
DARREICHUNGSFORM

50 mg Granulat im Beutel

75 mg Granulat im Beutel

150 mg Filmtabletten

Indikationen

Kalydeco Filmtabletten sind für Patienten ab sechs Jahren mit zystischer Fibrose (CF, Mukoviszidose), bei denen die G551D-Mutation im CFTR- (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator)-Protein nachgewiesen wurde, zugelassen. Diese tritt bei circa 4 Prozent aller Betroffenen auf.

 

Kalydeco Filmtabletten sind außerdem angezeigt bei Patienten ab 18 Jahren mit cystischer Fibrose und einer R117H-Mutation. Etwa 350 erwachsene Europäer haben die R117H-Mutation.

 

Kalydeco Granulat ist zugelassen zur Behandlung von Kindern ab 2 Jahren mit einem Körpergewicht unter 25 kg mit cystischer Fibrose und einer von 9 Gating-Mutationen (G551D, G1244E, G1349D, G178R, G551S, S1251N, S1255P, S549N und S549R) im CFTR-Gen. In Europa sind etwa 125 Kinder in dieser Altersgruppe von einer dieser Mutationen betroffen.

Wirkmechanismus

Ivacaftor erhöht bei Patienten mit bestimmten Mutationen im CFTR-Protein die Wahrscheinlichkeit, dass der defekte Chloridionenkanal geöffnet ist. Der Wirkstoff wird als CFTR-Potentiator bezeichnet. Er normalisiert den Ionentransport durch die Kanäle, was zu weniger zähflüssigen Sekreten und somit zu einer Milderung der Krankheitssymptome führt. Der genaue Wirkmechanismus ist bislang unklar.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Ivacaftor für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 6 Jahren mit einem Körpergewicht ab 25 kg beträgt 150 mg peroral alle zwölf Stunden. Kinder ab 2 Jahren und einem Körpergewicht unter 14 kg erhalten 50 mg und mit einem Körpergewicht von 14 bis unter 25 kg erhalten 75 mg alle zwölf Stunden.

 

Bei Gabe mit einer fetthaltigen Mahlzeit steigt die Ivacaftor-Exposition deutlich an. Daher sollte das Arzneimittel mit einer fetthaltigen Speise eingenommen werden. Das können zum Beispiel mit Butter oder Öl zubereitete oder eier-, käse-, nuss-, vollmilch- oder fleischhaltige Lebensmittel sein.

 

Ärzte sollten mithilfe von Blutuntersuchungen regelmäßig die Leberfunktion der Anwender überprüfen. Bei stark eingeschränkter Leberfunktion sollten sie Ivacaftor nur dann verordnen, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt. Zudem sollten diese Patienten die Therapie mit einer Dosierung von nur 150 mg Wirkstoff an jedem zweiten Tag beginnen.

Wichtige Wechselwirkungen

Patienten, die mit Ivacaftor behandelt werden, sollten auf Speisen, die Grapefruit oder Bitterorangen enthalten, verzichten, da diese die Aufnahme und den Abbau von Ivacaftor beeinflussen können. Der Grund: Inhaltsstoffe dieser Früchte wirken als starke CYP3A4-Hemmstoffe. Auch einige Arzneistoffe, etwa Ketoconazol, Itraconazol, Posaconazol, Voriconazol, Telithromycin und Clarithromycin, hemmen dieses Enzym stark. Werden sie gleichzeitig mit Ivacaftor eingenommen, sollte dessen Dosis nur 150 mg zweimal wöchentlich betragen. Bei gleichzeitiger Gabe von mittelstarken CYP3A-Inhibitoren wie Fluconazol und Erythromycin sollte Ivacaftor 150 mg nur einmal täglich eingenommen werden. Laut Fachinformation wird auch die gleichzeitige Anwendung mit starken CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Rifabutin, Phenobarbital, Carbamazepin, Phenytoin und Johanniskraut nicht empfohlen. Sie können die Wirksamkeit von Ivacaftor herabsetzen.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen von Ivacaftor in den Studien waren Bauchschmerzen (16 Prozent), Durchfall (13 Prozent), Schwindel (9 Prozent), Hautausschlag (13 Prozent), Reaktionen der oberen Atemwege (63 Prozent), Kopfschmerzen (24 Prozent) und Bakterien im Sputum (7 Prozent).

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Ivacaftor wurde in zwei randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudien mit 219 Patienten untersucht. Diese wiesen entsprechende Mutationen im CFTR-Gen auf mindestens einem Allel auf und hatten eine Einsekundenkapazität (FEV1) von mindestens 40 Prozent des Sollwerts. Eine der beiden Studien wurde mit Patienten ab zwölf Jahren, die andere mit Kindern von sechs bis elf Jahren durchgeführt.

 

Primärer Wirksamkeitsendpunkt war in beiden Studien die mittlere absolute Änderung des FEV1 nach 24-wöchiger Behandlung. Die Ergebnisse: Während sich in den Placebogruppen erwartungsgemäß keine nennenswerten Verbesserungen oder Verschlechterungen bei den FEV1-Werten ergaben, verbesserte sich die Lungenfunktion der Ivacaftor-Patienten nachweislich. Bei den Patienten ab zwölf Jahren ergab sich eine durchschnittliche Verbesserung des FEV1 um 10,4 Prozent. Ähnliche Ergebnisse wurden bei Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren beobachtet (12,6 Prozent).

Hintergrundinfos

Mukoviszidose (zystische Fibrose, CF) ist eine Erbkrankheit. In Deutschland leben etwa 8000 Patienten mit dieser Erkrankung. Sie leiden an einer Fehlfunktion der schleimbildenden Drüsen, der eine Mutation im CFTR-Gen zugrunde liegt. Dadurch entsteht zäher, in seiner Zusammensetzung veränderter Schleim, der die Atemwege und den Fluss der Verdauungssäfte blockiert. Dies führt vor allem zu Problemen mit der Lunge und der Verdauung sowie der Resorption von Nahrungsstoffen.

 

Häufige Symptome sind chronischer Husten, Atemwegsinfektionen und Untergewicht. Die Behandlung der Erkrankung zielt bislang vor allem darauf ab, Mangelzustände auszugleichen, Fehlfunktionen zu kompensieren sowie Organzerstörung und Funktionsausfall zu vermeiden. Wichtig sind das Abhusten des Schleims, unterstützt von Inhalationstherapie und Krankengymnastik, die Behandlung von Atemwegsinfektionen und die ausreichende Zufuhr von Energielieferanten, Enzymen und Vitaminen. Häufig kommen Mucolytika und Antibiotika zum Einsatz.

Besonderheiten

Ivacaftor wurde mit dem PZ-Innovationspreis ausgezeichnet.

 

Kalydeco ist bei Temperaturen unter 30 °C zu lagern.

Kalydeco unterliegt der Verschreibungspflicht.

Formeln

Ivacaftor

Ivacaftor

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Ivacaftor.wrl

Weitere Hinweise

In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Ivacaftor nur zum Einsatz kommen, wenn dies eindeutig notwendig ist beziehungsweise der potenzielle Nutzen das potenzielle Risiko überwiegt.

Packshot

Letzte Aktualisierung: 09.11.2016