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ARZNEISTOFFE

Mepolizumab|Nucala®|28|2016

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STOFFGRUPPE
28 Bronchospasmolytika/Antiasthmatika und andere Mittel für den Respirationstrakt
WIRKSTOFF
Mepolizumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Nucala®
HERSTELLER

GlaxoSmithKline

MARKTEINFÜHRUNG (D)
02/2016
DARREICHUNGSFORM

100 mg Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

100 mg Injektionslösung im Fertigpen

100 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze

Indikationen

Mepolizumab ist angezeigt als Zusatzbehandlung bei schwerem refraktärem eosinophilem Asthma bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren. Das Medikament dient zur Langzeitbehandlung, nicht zur Behandlung akuter Asthma-Exazerbationen.

Wirkmechanismus

Mepolizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der mit hoher Affinität und Spezifität an humanes Interleukin 5 (IL-5) bindet. Dieses ist das wichtigste Zytokin für Wachstum, Differenzierung, Rekrutierung, Aktivierung und Überleben von eosinophilen Granulozyten. Mepolizumab hemmt die Bioaktivität von IL-5, indem es dessen Bindung an die Alpha-Kette des IL-5-Rezeptorkomplexes auf der Zelloberfläche von Eosinophilen verhindert. Dadurch wird die IL-5-Signaltransduktion gehemmt und Produktion und Überleben der Eosinophilen gebremst.

 

Nach subkutaner Verabreichung von 100 mg alle vier Wochen für 32 Wochen war die Anzahl der Eosinophilen im Blut um 84 Prozent im Vergleich zu Placebo gesunken. Diese Abnahme der Zellzahl trat innerhalb von vier Behandlungswochen ein.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren beträgt 100 mg Mepolizumab subkutan alle vier Wochen, für Kinder ab 6 Jahren 40 mg alle vier Wochen. Die Injektion kann in den Oberarm, Oberschenkel oder die Bauchdecke erfolgen und durch den Patienten selbst oder eine betreuende Person vorgenommen werden.

 

Liegt bei einem Patienten eine Wurminfektion (Helminthen) vor, sollte diese vor dem Therapiebeginn mit Mepolizumab  behandelt werden, da Eosinophile an der Immunantwort auf manche Helminthen beteiligt sind.

Wichtige Wechselwirkungen

Es liegen keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen vor.

Nebenwirkungen

Die unter der Therapie mit Mepolizumab am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Reaktionen an der Injektionsstelle und Rückenschmerzen. Nach der Injektion traten auch akute oder verzögerte systemische Reaktionen einschließlich Überempfindlichkeitsreaktionen wie Urtikaria, Angioödem, Hautausschlag, Bronchospasmus oder Hypotonie auf.

 

Bei 6 Prozent der Patienten, die mindestens einmal Mepolizumab erhalten hatten, bildeten sich Antikörper gegen das Medikament. 

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Wirksamkeit von Mepolizumab bei Patienten mit schwerem refraktärem eosinophilem Asthma wurde in drei randomisierten doppelblinden Parallelgruppenstudien über 24 bis 52 Wochen untersucht. Für Kinder und Jugendliche von zwölf bis 18 Jahren liegen nur wenige Daten vor. Alle Patienten hatten trotz Standardtherapie, die mindestens hochdosierte inhalative Corticosteroide plus Erhaltungstherapie(n) umfasste, ein unkontrolliertes Asthma (mindestens zwei schwere Exazerbationen in den letzten zwölf Monaten) oder mussten systemische Steroide einnehmen. Die möglichen Erhaltungstherapien waren umfangreich: lang wirksame Beta-2-Agonisten (LABA) oder Muskarin-Rezeptor-Antagonisten (LAMA), Leukotrien-Rezeptorantagonisten, Theophyllin und orale Corticosteroide.

 

In der 52-wöchigen Studie MEA112997 erhielten 616 Patienten 75 mg, 250 mg oder 750 mg Mepolizumab intravenös oder Placebo. Unter Verum ging die Rate an Asthma-Exazerbationen signifikant zurück. In der Studie MEA115588 wurde Mepolizumab als Zusatztherapie bei 576 Patienten mit einer Eosinophilenzahl im peripheren Blut von mindestens 150 Zellen/µl zu Therapiebeginn oder mindestens 300/µl in den letzten zwölf Monaten untersucht. Sie erhielten über 32 Wochen alle vier Wochen Mepolizumab 100 mg subkutan oder 75 mg intravenös oder Placebo. Klinisch bedeutsame Asthma-Exazerbationen waren unter Mepolizumab signifikant seltener als unter Placebo.

 

Die Dauertherapie mit oralen Corticosteroiden zu reduzieren, ohne die Asthmakontrolle zu verlieren, war Ziel der Studie MEA115575 mit 135 Patienten. Signifikant mehr Patienten unter Mepolizumab (100 mg subkutan) als unter Placebo konnten die tägliche Steroideinnahme deutlich reduzieren. 

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft sollte Mepolizumab sicherheitshalber nicht gegeben werden. 

Während der Stillzeit muss entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Mepolizumab beendet werden soll.

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Letzte Aktualisierung: 26.02.2020