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ARZNEISTOFFE

Montelukast|Singulair®|28|1998

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STOFFGRUPPE
28 Bronchospasmolytika/Antiasthmatika und andere Mittel für den Respirationstrakt
WIRKSTOFF
Montelukast
FERTIGARZNEIMITTEL
Singulair®
HERSTELLER

MSD

MARKTEINFÜHRUNG (D)
04/1998
DARREICHUNGSFORM

10 mg Filmtabletten

Junior 5 mg Kautabletten

Mini 4 mg Granulat

Mini 4 mg Kautabletten

Indikationen

Singulair ist indiziert als Zusatzbehandlung bei Patienten ab sechs Monaten mit leichtem bis mittelgradigem chronischem Asthma (Schweregrad 2 und 3 in der vierstufigen Einteilung), das mit einem inhalierbaren Glucocorticoid nicht ausreichend behandelt und das durch die bedarfsweise Anwendung von kurzwirkenden β2-Sympathomimetika nicht ausreichend unter Kontrolle gebracht werden kann.

 

Es kann außerdem eine alternative Behandlung zu niedrig dosierten inhalativen Corticosteroiden bei Patienten zwischen 2 und 14 Jahren mit leichtem persistierenden Asthma darstellen, die in letzter Zeit keine schwerwiegenden, mit oralen Corticosteroiden zu behandelnden Asthmaanfälle hatten und inhalative Corticosteroide nicht anwenden können.

 

Bei den Patienten ab 15 Jahren, die Singulair gegen Asthma anwenden, können 10 mg Filmtabletten auch die Symptome einer saisonalen allergischen Rhinitis lindern.

 

Außerdem kann es bei Patienten ab zwei Jahren zur Vorbeugung von Belastungsasthma eingesetzt werden, wenn die Bronchokonstriktion vorwiegend durch körperliche Belastung ausgelöst wird.

Wirkmechanismus

Montelukast ist ein Leukotrien-Rezeptor-Antagonist. Es bindet an die in den Atemwegen vorhandenen Cys-LT1-Rezeptoren und hemmt ohne agonistische Eigenwirkung die Wirkungen der Leukotriene bezüglich Förderung der Entzündungsvorgänge, Bronchokonstriktion, Erhöhung der Gefäßpermeabilität und vermehrter Schleimsekretion. Montelukast weist außerdem antientzündliche und antibronchokonstriktorische Effekte auf.

Anwendungsweise und -hinweise

Die Dosierung für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren beträgt 10 mg Montelukast (eine Filmtablette) täglich vor dem Schlafengehen. Die Filmtablette kann unabhängig von der Nahrungsaufnahme eingenommen werden.

 

Die empfohlene Dosis für Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren beträgt ein Beutelchen à 4 mg Granulat täglich am Abend. Innerhalb dieser Altersgruppe ist keine Dosisanpassung erforderlich. Das Granulat kann entweder direkt in den Mund gegeben oder mit einem Löffel kalter oder auf Zimmertemperatur gebrachter weicher Nahrung (zum Beispiel Apfelmus, Eiscreme, Karotten oder Reis) vermischt werden. Der Beutel sollte erst direkt vor dem Gebrauch geöffnet werden. Nach dem Öffnen muss die gesamte Dosis sofort (innerhalb von 15 Minuten) aufgebraucht werden. Das Granulat ist nicht zum Verdünnen in Flüssigkeit geeignet; jedoch kann nach der Anwendung Flüssigkeit gegeben werden.

 

Für Kinder zwischen 2 und 5 Jahren stehen Singulair 4 mg Kautabletten zur Verfügung, für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren 5 mg Kautabletten. Diese sollten abends eine Stunde vor oder zwei Stunden nach der Nahrungsaufnahme eingenommen werden.

 

Die Wirkung von Montelukast auf die Asthmasymptomatik setzt bereits nach einem Tag ein. Die Patienten sind zu instruieren, dass die Therapie mit Montelukast sowohl bei Beschwerdefreiheit als auch während einer Verschlechterung der Asthmasymptomatik fortzusetzen ist.

 

Bei älteren Patienten sowie bei Nierenfunktionsstörungen oder leichten bis mäßiggradigen Leberfunktionsstörungen müssen keine Dosisanpassungen vorgenommen werden. Bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz liegen keine Erfahrungen vor.

 

Die Patienten sind anzuweisen, Montelukast nie zur Behandlung eines akuten Asthma-Anfalls einzusetzen. Von einem inhalativen oder oralen Glucocorticoid soll nicht ersatzweise auf Montelukast umgestellt werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Wechselwirkungen von Montelukast mit anderen Medikamenten, die unter anderem auch bei Asthmatikern eingesetzt werden, wie Theophyllin und Prednison beziehungsweise Prednisolon, wurden bisher nicht beobachtet. Auch mit Digoxin und peroralen Kontrazeptiva blieben Wechselwirkungen aus.

 

Montelukast wird durch CYP3A4, CYP2C8 und CYP2C9 metabolisiert. Daher ist insbesondere bei Kindern Vorsicht angebracht, wenn sie gleichzeitig mit Arzneimitteln behandelt werden, die die Aktivität von CYP3A4, CYP2C8 und CYP2C9 induzieren. Dazu gehören unter anderem Phenytoin, Phenobarbital und Rifampicin.

Nebenwirkungen

Unter der Behandlung mit Montelukast – aber auch in der Placebogruppe – traten Infektionen der Atemwege sehr häufig auf. Dies gilt auch für die häufig berichteten Nebenwirkungen Diarrhö, Übelkeit und Erbrechen sowie Hautausschlag beziehungsweise Pyrexie. Ebenfalls häufig wurde eine Erhöhung der Leberenzymwerte ALT (GPT) und AST (GOT) beobachtet. Gelegentlich traten psychiatrische Erkrankungen wie verändertes Träumen, Schlafwandeln oder psychomotorische Hyperaktivität auf. Nebenwirkungen können je nach Altersgruppe der Patienten variieren.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Besonderheiten

Singulair Filmtabletten und Kautabletten sind in der Originalverpackung aufzubewahren, um den Inhalt vor Licht und Feuchtigkeit zu schützen.

 

Singulair Granulat ist bei Temperaturen nicht über 25 °C lagern; es ist außerdem in der Originalverpackung aufzubewahren, um den Inhalt vor Licht und Feuchtigkeit zu schützen.

Formeln

Montelukast

Montelukast

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Montelukast.wrl

Weitere Hinweise

Singulair darf während der Schwangerschaft und Stillzeit nur eingenommen werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist.

Letzte Aktualisierung: 12.03.2018