Die Ätiologie der bipolaren Störung ist multifaktoriell. Zu den Risikofaktoren gehören genetische Faktoren mit einer hohen Erblichkeit von etwa 60 bis 80 Prozent, Stress und Lebensereignisse als Trigger für Episoden, Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen und Substanzkonsum, zum Beispiel von Alkohol und Drogen. In der Bildgebung des Gehirns wurden auch strukturelle, funktionelle und neurobiologische Veränderungen wie die Dysregulation von Neurotransmittern festgestellt (4, 5).
Das Risiko für eine bipolare Störung ist assoziiert mit einer positiven Familienanamnese für diese Störung, Substanzmissbrauch und Angststörungen. Studien zeigen ein gemeinsames genetisches Risiko von bipolaren Störungen mit Schizophrenie und Autismus (6).
Die bipolare Störung kann episodisch verlaufen (klare Phasen mit symptomfreien Intervallen) oder chronisch mit anhaltenden Symptomen ohne vollständige Remission. Von Rapid Cycling spricht man, wenn der Patient vier oder mehr Episoden pro Jahr durchlebt.
Die Erkrankung hat einen progredienten Verlauf mit Auswirkungen auf das Funktionsniveau sowie kognitive und medizinische Folgen. Beschrieben sind auch vorzeitige Hirnalterung und ein erhöhtes Demenzrisiko (7, 8).
Die Prognose kann sehr unterschiedlich sein. Günstig wirken sich frühe Diagnose, gute Therapieadhärenz und stabile Lebensumstände aus. Dagegen werden häufige Episoden, späte Diagnose und Substanzmissbrauch als ungünstig erachtet. Die Patienten haben ein deutlich erhöhtes Suizidrisiko, erleben soziale und berufliche Beeinträchtigungen und können erhebliche finanzielle und rechtliche Probleme während manischer Phasen bekommen.
Wird die Diagnose einer bipolaren Störung frühzeitig gestellt, kann sich dies günstig auf die Prognose auswirken. / © Shutterstock/Microgen
Sehr oft leiden sie an weiteren psychiatrischen und körperlichen Erkrankungen. Die Symptomüberlappung, beispielsweise mit unipolarer Depression, Angst- und Persönlichkeitsstörungen, Substanzabhängigkeit oder ADHS, kann Diagnose und Therapie der Bipolarität signifikant erschweren.
Besonders schwierig ist die Diagnose bei Jugendlichen und eine Abgrenzung zur Pubertät. Stimmungsschwankungen sind in der Pubertät normal und auch Impulsivität und Risikoverhalten können entwicklungsbedingt auftreten. Eine Hypomanie wird dann oft als »gute Phase« fehlinterpretiert. Wichtig zur Unterscheidung sind Ausmaß und Dauer der Symptome, deutliche Funktionsbeeinträchtigungen, episodischer Verlauf sowie vermindertes Schlafbedürfnis ohne Müdigkeit.
Problematisch sind die Verwechslung mit einer unipolaren Depression, eine späte Diagnose erst nach mehreren Episoden und die Untererfassung von Hypomanien (9, 10).