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Bipolare Störungen
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Phasengerecht therapieren

Die bipolare Störung ist eine komplexe Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich belastet. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung können den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität deutlich verbessern.
AutorKontaktJulia Reiff
AutorKontaktPamela Reißner
Datum 02.07.2026  09:00 Uhr

Nicht medikamentöse Optionen

Nicht medikamentöse Maßnahmen sind sehr hilfreich, reichen aber vor allem bei schweren Verläufen meist nicht aus. Die beste Wirkung erzielt oft eine Kombination aus Medikamenten, Psychotherapie und Lebensstilmaßnahmen.

Entscheidend ist, die Therapie an die aktuelle Phase der bipolaren Störung anzupassen: Was in einer Depression hilft, kann in einer Manie wirkungslos oder sogar kontraproduktiv sein.

In der manischen Phase lauten die Therapieziele: beruhigen, Reize reduzieren und Eskalation verhindern. Schlafhygiene mit ausreichend Schlaf und regelmäßigem Schlaf-Wach-Rhythmus ist äußerst wichtig, da Schlafmangel manische Episoden auslösen kann. Aktivierende Methoden sollten eher vermieden werden. Am wichtigsten sind eine feste Tagesstruktur, Reizabschirmung mit wenig Stimulation sowie Reduktion von Stress und sozialen Konflikten.

Zu den am besten untersuchten Maßnahmen gehört die Psychoedukation, die nachweislich die Rückfallraten senkt und Krankheitsverständnis und Früherkennung verbessert. Sie wird in fast allen Leitlinien standardmäßig empfohlen.

Psychoedukation vermittelt Wissen über die Erkrankung und fördert Therapietreue und Selbstmanagement. Sie hilft unterstützend vor allem präventiv vor oder früh in der Manie, um Frühwarnzeichen zu erkennen. Beim Vollbild der Manie ist sie allerdings bei fehlender Krankheitseinsicht oft nur eingeschränkt möglich und wirksam (30).

Auch die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist in der akuten Manie meist wenig effektiv und eher nach Abklingen zur Rückfallprophylaxe sinnvoll. Dagegen ist die KVT sehr wirksam in depressiven Phasen. Dann heißt das Ziel: aktivieren, Stimmung stabilisieren, Grübeln reduzieren. Die KVT hat das Ziel, Frühwarnzeichen von depressiven und manischen Phasen besser wahrzunehmen und Strategien zur Rückfallprophylaxe zu entwickeln. Besonders sinnvoll ist sie in stabilen Phasen, um negative Denkmuster zu erkennen und zu verändern.

Die interpersonelle und soziale Rhythmustherapie (IPSRT) ist direkt auf typische Trigger der Erkrankung zugeschnitten. Sie zeigt eine gute Evidenz für eine Stabilisierung des Schlaf-Wach-Rhythmus und fokussiert auf stabile Tagesrhythmen (Schlaf, Essen, Aktivitäten) sowie die Verlängerung symptomfreier Phasen. Sie gilt als eine der spezifischsten Therapien für Menschen mit Bipolarität (31).

Bewegung hat einen nachgewiesenen antidepressiven Effekt und ist besonders hilfreich bei Antriebsmangel. Eine Lichttherapie kann bei depressiven Episoden helfen, darf aufgrund eines Manie-Risikos aber nur vorsichtig eingesetzt werden.

Stressmanagement mit Techniken wie Meditation, Achtsamkeit oder Yoga ist wichtig, da Stress ein häufiger Auslöser für Episoden ist. Ergänzend können achtsamkeitsbasierte Verfahren Grübeln und depressive Symptome reduzieren und die Emotionsregulation verbessern. Die Evidenz wächst, aber ist weniger stark als bei der KVT.

Eine Familientherapie bezieht Angehörige ein, verbessert die Kommunikation und das Verständnis, reduziert Rückfälle und Krankenhausaufenthalte und ist besonders wirksam bei hoher familiärer Belastung.

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