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Bipolare Störungen
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Phasengerecht therapieren

Die bipolare Störung ist eine komplexe Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich belastet. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung können den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität deutlich verbessern.
AutorKontaktJulia Reiff
AutorKontaktPamela Reißner
Datum 02.07.2026  09:00 Uhr

Die bipolare Störung ist eine schwere, chronische und rezidivierende affektive Erkrankung. Sie führt zu Störungen von Stimmung, Antrieb, Denken, Schlaf, Leistungsfähigkeit sowie Verhalten und ist charakterisiert durch wiederkehrende biphasische Episoden von Manie oder Hypomanie und Depression.

Man unterscheidet die Bipolar-I- von der Bipolar-II-Störung (1). Eine Bipolar-I-Störung liegt vor, wenn mindestens eine ausgeprägte manische Episode auftritt. Die Manien verlaufen oft schwer und sind behandlungsbedürftig. Häufig sind zusätzlich depressive Episoden.

Bei der Bipolar-II-Störung liegen Hypomanien mit leichteren und weniger auffälligen Symptomen, aber keine Manie vor. Diese Form wird häufig übersehen oder bei wiederkehrenden Depressionen als (unipolare) Depression fehlinterpretiert.

Die Prävalenz der Bipolar-I-Störung beträgt etwa 1 Prozent der Bevölkerung, der Bipolar-II-Störung 1 bis 2 Prozent und des Gesamtspektrums bipolarer Erkrankungen bis zu 5 Prozent. Die Erstmanifestation beginnt meist im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter; es gibt Erkrankungspeaks im Alter von 15 bis 24 und von 45 bis 54 Jahren. Manien mit spätem Krankheitsbeginn sind assoziiert mit höherer psychiatrischer und somatischer Komorbidität wie Suizidalität und vaskulären Erkrankungen (2).

Symptomatik der Phasen

Eine manische Episode ist geprägt durch eine deutlich gehobene oder gereizte Stimmung sowie gesteigerte Aktivität. Typisch sind eine ausgeprägte Antriebssteigerung, Rededrang (Logorrhoe), Ideenflucht, distanzloses Verhalten, Selbstüberschätzung mit Größenideen und Risikoverhalten wie exzessive Geldausgaben sowie sexuelle Enthemmung.

Schlafstörungen sind ein zentrales Symptom. Betroffene haben in der Regel ein stark vermindertes Schlafbedürfnis und benötigen nur zwei bis drei Stunden Schlaf. Schlafmangel kann eine Episode verstärken oder auslösen.

Im Gegensatz dazu erleben die Patienten depressive Episoden mit niedergeschlagener Stimmung, Antriebslosigkeit, Interessenverlust, Hoffnungslosigkeit, Schuld- und Insuffizienzerleben sowie Suizidgedanken. Meist bestehen Ein- und Durchschlafstörungen, Früherwachen und ein vermehrtes Schlafbedürfnis (3).

Den Übergang von einer depressiven in eine manische Phase bezeichnet man als Switch. Dieser kann spontan auftreten oder (wie im Fallbeispiel) durch Antidepressiva ausgelöst werden. Frühe Warnzeichen, die auf einen Switch hindeuten, sind steigende Aktivität, vermindertes Schlafbedürfnis mit verkürzter Schlafdauer und zunehmende Reizbarkeit. Fehldiagnosen oder eine falsche Therapie, zum Beispiel eine antidepressive Monotherapie ohne Phasenprophylaxe können diesen Wechsel begünstigen.

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