Pharmazeutische Zeitung online
Delir

Lebensgefährliche Verwirrtheit

Kein harmloses Durchgangssyndrom

Angesichts der schweren Folgen eines Delirs spricht man heute nicht mehr vom »Durchgangssyndrom«, denn dieser früher oft verwendete Begriff suggeriert Harmlosigkeit. Ein Delir ist ein Prädiktor für schlechtes funktionelles Überleben und sogar Tod! 22 bis 70 Prozent der älteren Menschen, die im Krankenhaus diesen Verwirrtheitszustand entwickeln, sterben daran (3).

Die erhöhte Komplikationsrate während eines Krankenhausaufenthalts wird zum einen durch die vermehrte Selbstgefährdung deliranter Patienten verursacht. So passiert es, dass sie einen Blasenkatheter oder ­Beatmungsschläuche herausreißen und sich dabei schwer verletzen oder über Bettgitter steigen, stürzen und Knochenbrüche erleiden. Dies sind nur ­einige Beispiele dafür, wie ein Delir Folgeerkrankungen begünstigt.

Sedierende Therapien oder Fixierungen, die aufgrund ausgeprägter motorischer Unruhe oft erforderlich sind, erhöhen ihrerseits das Risiko ­stiller Aspirationen und hierdurch bedingter Pneumonien, von Harnwegsinfektionen, Dekubitalulzera und Thrombosen (4). Ein Delir verlängert die Dauer des Krankenhausaufenthalts, was auch unter gesundheitsökonomischen Aspekten relevant ist.

Aber auch danach bleibt die Mortalität erhöht. In einer Metaanalyse aus sieben Studien wurde eine mittlere Mortalität von 38 Prozent innerhalb von nahezu zwei Jahren angegeben; das Mortalitätsrisiko war damit um 50 Prozent höher als bei nicht deliranten Patienten (5). Derzeit ist noch ­unklar, ob die Mortalität vom Delir ­ausgeht oder ob das Delir ein Marker für die Schwere der Erkrankung ist.

Ein Delir erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, in einer Institution betreut werden zu müssen (2,5-fach), eine Demenz zu entwickeln (12-fach) oder bei bestehender Demenz eine raschere Progression zu erleiden (6). Man geht heute davon aus, dass ein Delir in 30 bis 40 Prozent der Fälle vermeidbar ist. Umso wichtiger ist eine konsequente Prävention.

Mehr von Avoxa