Das Hantavirus als Weckruf |
Die Hantavirus-Infektionskette an Board des Kreuzfahrtschiffs »MV Hondius«, in deren Verlauf drei Menschen gestorben und nach neuesten Meldungen wohl elf infiziert wurden, ist nicht nur tragisch, sondern auch medizinisch und logistisch hochspannend. Denn hier geht es nicht um einen klassischen Ausbruch, wie man ihn beispielsweise von Noroviren auf Kreuzfahrtschiffen kennt. Diesmal ist der Erreger das Andes-Virus, ein Vertreter der Hantaviren, der eine Besonderheit aufweist, die ihn von fast allen anderen Hantaviren unterscheidet: die Fähigkeit, sich von Mensch zu Mensch zu übertragen.
Hantaviren gelten als eine von 25 Virusfamilien mit Pandemiepotenzial. Dass dieser Fall eine Pandemie verursachen könnte, gilt allerdings für nahezu ausgeschlossen, wie auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Professor Dr. Lars Schaade, betont. Nach seinen Worten ist das Hantavirus kein Virus, das sich so effizient wie Influenza oder Covid-19 über Aerosole ausbreitet. Es braucht sehr engen, langanhaltenden Kontakt mit Infizierten.
Und dennoch sollte der Fall der »MV Hondius« als Weckruf wahrgenommen werden, erklären die Professoren Dr. Theo Dingermann und Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz in der aktuellen Folge des Podcasts »PZ Nachgefragt«. Man dürfe nicht nachlassen in den Bemühungen, die relevante Infrastruktur für solche seltenen, aber hochgefährlichen Zoonosen fit zu halten – gerade auch im Hinblick auf kommende Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft, bei der Millionen Reisende Krankheitserreger im Gepäck haben könnten.