Das humane Herpesvirus 3 (HHV-3) ist besser bekannt als Varizella-Zoster-Virus (VZV) und gehört wie HSV-1 und HSV-2 zur Unterfamilie der Alphaherpesvirinae. Kennzeichnend sind eine hohe Replikationsgeschwindigkeit und eine ausgeprägte Neurotropie.
Die Primärinfektion manifestiert sich als Varizellen (Windpocken), die hochansteckend sind. Wenn ein Familienmitglied Windpocken hat, stecken sich die restlichen Familienmitglieder, die noch keine Infektion hatten oder keine Antikörper gebildet haben, mit 80- bis 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit an. Die Übertragung der Erreger erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion, da Viruspartikel in Speicheltröpfchen beim Atmen, Sprechen, Niesen oder Husten freigesetzt werden (4).
Bei Kindern verlaufen Windpocken meist mild und selbstlimitierend. / © Shutterstock/almo Creative
Windpocken treten überwiegend im Kindesalter auf – auch wenn die meisten Kinder heute geimpft sind. Erkrankungsspitzen gibt es besonders in den Wintermonaten und im Frühjahr. Die Erkrankung zeigt sich mit generalisiertem vesikulärem Exanthem und wird begleitet von Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Juckreiz. Die Windpocken beginnen mit kleinen runden, roten Flecken, aus denen sekretgefüllte Bläschen entstehen. Durch Einwanderung von Entzündungszellen entstehen Pusteln, auf denen sich nach dem Austrocknen der Bläschen Krusten bilden. Mit Ausnahme der Handinnenflächen und Fußsohlen können sich Bläschen am ganzen Körper und auch im Mund bilden (11).
Zwei Tage vor dem Exanthem sind Windpocken bereits ansteckend und bleiben es, bis alle Effloreszenzen verkrustet sind. Insbesondere Schwangere sollten Windpocken-Erkrankte meiden, wenn sie nicht sicher sind, ob sie schon einmal eine Infektion durchgemacht haben oder geimpft sind (Kasten). Eine Infektion des Fetus vor der 20. Schwangerschaftswoche kann zu Missbildungen oder Abort führen.
Nach der Abheilung des Exanthems verbleibt das Virus, wie typisch für Herpesviren, latent in sensorischen Spinal- und Hirnnervenganglien.
Eine spätere Reaktivierung des VZV führt zum Herpes zoster (Gürtelrose), der typischerweise durch ein dermatomal begrenztes, sehr schmerzhaftes Exanthem gekennzeichnet ist. Komplikationen wie die postherpetische Neuralgie oder ein Zoster ophthalmicus kommen häufiger vor (4).

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Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Windpocken-Impfung für Kinder und Jugendliche. Laut Impfkalender sollten Kinder die erste Dosis im Alter von 11 bis 14 Monaten erhalten, die zweite Dosis folgt im Alter von 15 bis 23 Monaten, in der Regel als Kombinationsimpfstoff auch gegen Mumps, Masern und Röteln (MMRV). Bei seronegativen Erwachsenen ist eine Impfung sinnvoll, zum Beispiel unter immunsuppressiver Therapie, vor Organtransplantation, bei schwerer Neurodermitis oder bei Frauen mit Kinderwunsch.
Manchmal entwickeln auch geimpfte Kinder Varizellen. Dann sind der Ausschlag und der gesamte Verlauf in der Regel milder, Fieber tritt seltener auf und der Verlauf ist kürzer. Die Pusteln sind aber ansteckend.
Seit Dezember 2018 empfiehlt die STIKO die Standardimpfung gegen Zoster für alle Personen ab 60 Jahren. Seit 2025 wird sie zusätzlich bereits ab dem 18. Lebensjahr für Personen mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko empfohlen, etwa infolge einer Grunderkrankung oder bei angeborener oder erworbener Immundefizienz. Dazu zählen unter anderem Menschen mit HIV-Infektion, rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, COPD oder Asthma bronchiale, mit chronischer Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus (4).
Der aktuelle rekombinante Totimpfstoff (Shingrix®) wird in zwei Dosen im Abstand von mindestens zwei bis maximal sechs Monaten intramuskulär appliziert. Bei Patienten mit Immunsuppression ist ein kürzerer Abstand, zum Beispiel ein bis zwei Monate, möglich.