Die Abgrenzung zwischen Selbstmedikation und notwendiger ärztlicher Behandlung ist ein zentraler Bestandteil der pharmazeutischen Beratung. Eine Selbstmedikation ist in der Regel bei bekannten, mild verlaufenden Rezidiven eines Herpes labialis möglich. Dagegen erfordern HSV-Erstinfektionen mit Fieber und geschwollenen Lymphknoten, schwere oder atypische Verläufe, Befall der Augenregion sowie Infektionen bei immunsupprimierten Patienten, bei Säuglingen und Kleinkindern unbedingt eine ärztliche Abklärung. In der Schwangerschaft sollte eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen und eher der Arztbesuch empfohlen werden.
Für eine strukturierte Beratung in der Apotheke empfiehlt sich eine gezielte Anamnese, die Aspekte wie Lokalisation, erstmaliges oder wiederkehrendes Auftreten, Dauer der Symptome sowie mögliche Risikofaktoren erfasst. Auf dieser Grundlage kann das Apothekenpersonal fundierte Empfehlungen zur Therapie geben. Ein besonderer Fokus liegt auf dem optimalen Zeitpunkt des Therapiebeginns, der korrekten Anwendung antiviraler Arzneimittel sowie auf hygienischen Maßnahmen zur Vermeidung von Schmierinfektionen.
Strukturiert und einfühlsam beraten: Das ist besonders wichtig bei heiklen Themen wie einer Herpes-Erkrankung. / © Shutterstock/PeopleImages
Um weitere Ansteckungen zu vermeiden, sollten Erkrankte auf das Küssen verzichten. Dies gilt besonders bei Neugeborenen, da die an sich harmlosen HSV-1 zu lebensgefährlichen Infektionen führen können. Weitere Vorsichtsmaßnahmen: keine Handtücher, Besteck oder Geschirr gemeinsam nutzen und Sport mit engem Körperkontakt vermeiden.
Prävention spielt eine wichtige Rolle. Dazu gehören die Identifikation und Vermeidung individueller Triggerfaktoren, beispielsweise durch konsequenten UV-Schutz der Lippen, sowie allgemeine Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und Verzicht auf das Teilen persönlicher Gegenstände. Hilfreich ist die Stärkung des Immunsystems durch gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und unterstützende Nahrungsergänzungsmittel wie Zink.
Einige Krankenkassen bieten auch »Meditationsguides« an. Damit kann man Techniken erlernen, wie man mit psychischem Stress besser umgehen kann, damit diese Trigger nicht mehr zum Auslöser eines Herpesrezidivs werden.
Bei häufigen Rezidiven kann eine suppressive orale antivirale Langzeittherapie erwogen werden.