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Herpesviren
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Klein, gemein und oft gefährlich

Aus der großen Familie der Herpesviridae haben sich einige Vertreter gut an den Menschen angepasst. Sie können Lippen- oder Genitalherpes, aber auch lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen. Ein Überblick über neun humanpathogene Herpesviren.
AutorKontaktIlsabe Behrens
Datum 11.06.2026  09:00 Uhr

Beim Stichwort Herpesviren denkt man meist an die Lippenbläschen, die durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) verursacht werden. Die Familie der Herpesviren ist mit bisher 200 bekannten Mitgliedern groß, davon sind neun für den Menschen spezifisch (1).

Herpesviren zählen zu den weltweit am weitesten verbreiteten humanpathogenen Viren und zeichnen sich alle durch ihre Fähigkeit der lebenslangen Latenzbildung in sensorischen Ganglien mit späterer Reaktivierung aus. Insbesondere die Herpes-simplex-Viren Typ 1 (HSV-1) und Typ 2 (HSV-2) haben eine hohe Relevanz für den Apothekenalltag. Patienten suchen häufig schon bei ersten Symptomen wie Kribbeln, Brennen oder Spannungsgefühl im betroffenen Hautareal die Apotheke auf und erwarten eine kompetente Beratung.

Da Herpesvirus-Infektionen lästige bis schwere Erkrankungen auslösen können, ist eine fundierte evidenzbasierte Beratung in der öffentlichen Apotheke notwendig. Mit strukturierter Anamnese, gezielten Therapieempfehlungen und umfassender Aufklärung können Apotheker und ihre Teams maßgeblich zur sicheren Selbstmedikation, zum frühzeitigen Erkennen problematischer Verläufe – mit Empfehlung zum Arztbesuch – und zur Prävention beitragen.

Welche Viren sind humanpathogen?

Die Familie der Herpesviridae umfasst behüllte DNA-Viren mit doppelsträngigem Genom. Zu den für den Menschen relevanten Vertretern gehören neben HSV-1 und -2 auch das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das Epstein-Barr- (EBV) und das Cytomegalie-Virus (CMV), wobei Letztere im Apothekenalltag eine untergeordnete Rolle spielen (1).

Herpesviren existieren schon seit Millionen von Jahren, und die in Tabelle 1 genannten Vertreter haben sich gut an den Menschen angepasst. Nach einer Primärinfektion, die auch symptomlos verlaufen kann, gehen Herpesviren in einen Latenzzustand über und persistieren in sensorischen Ganglien. In dieser Phase werden keine neuen Viruspartikel produziert und deshalb auch nicht oder kaum vom Immunsystem erkannt.

Jeder Erwachsene trägt einen oder mehrere der neun humanpathogenen Herpesviren in sich.

Herpesviridae ausgelöste Erkrankung
Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) primär orolabiale Infektionen
Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) primär genitale Infektionen
Varizella-Zoster-Virus (VZV, HHV-3) Windpocken und Herpes zoster (Gürtelrose)
Epstein-Barr-Virus (EBV, HHV-4) infektiöse Mononukleose, Pfeiffersches Drüsenfieber
Cytomegalie-Virus (CMV, HHV-5) primär Grippe-ähnliche Allgemeininfektion, sekundär Guillain-Barré-Syndrom
humaner Herpesvirus 6A und 6B Hauptverursacher des Drei-Tage-Fiebers (Roseola infantum) bei Kleinkindern, Exanthem-Bildung
humaner Herpesvirus 7 Drei-Tage-Fieber ähnliche Erkrankung, Exanthem, neurologische Symptome
Kaposi-Sarkom-assoziiertes Herpesvirus (HHV-8) kann zum Kaposi-Sarkom, primären Effusions­lymphom oder zur Castleman-Krankheit bei immunsupprimierten Menschen führen
Tabelle 1: Neun humanpathogene Herpesviren (1–9)
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