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Herpesviren
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Klein, gemein und oft gefährlich

Aus der großen Familie der Herpesviridae haben sich einige Vertreter gut an den Menschen angepasst. Sie können Lippen- oder Genitalherpes, aber auch lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen. Ein Überblick über neun humanpathogene Herpesviren.
AutorKontaktIlsabe Behrens
Datum 11.06.2026  09:00 Uhr

Topische und systemische Therapie bei HSV

Die Therapie von HSV-Infektionen basiert primär auf antiviralen Wirkstoffen.

In der Selbstmedikation des Lippenherpes kommen vor allem topische Präparate mit Aciclovir oder Penciclovir zum Einsatz (Tabelle 2). Diese Wirkstoffe hemmen nach intrazellulärer Aktivierung durch die virale Thymidinkinase selektiv die virale DNA-Polymerase und verhindern so die Virusreplikation. Zinksulfat in topischer Zubereitung hat einen austrocknenden Effekt und Zinkionen wirken virostatisch. Die Kombination mit Heparin beschleunigt den Wirkeintritt. Wässriger Melissenextrakt enthält glykosidisch gebundene Phenolcarbonsäuren, die das Andocken des Virus an Rezeptoren der noch nicht befallenen Zellen verhindern (3).

Wirkstoff Tägliche Anwendung
Aciclovir
Penciclovir
Foscarnet (Rx)
Heparin + Zinksulfat 3–6×
wässriger Melissenextrakt 3–5×
Tromantadin (Rx) 3–5×
Tabelle 2: Antivirale Wirkstoffe zur topischen Therapie des Lippenherpes

Die klinische Wirksamkeit topischer Virostatika ist moderat, verkürzt die Symptome um etwa einen Tag und begrenzt vor allem die weitere Ausdehnung. Entscheidend für den Therapieerfolg ist der frühe Einsatz, der am besten bereits in der Prodromalphase, also bei den ersten Symptomen wie Brennen oder Spannungsgefühl, beginnt.

Für die Beratung heißt das: Der beste Effekt wird erzielt, wenn die Topika innerhalb von vier bis acht Stunden nach den ersten Symptomen angewendet werden.

Systemische antivirale Therapien mit Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir sind insbesondere bei Erstinfektionen, Herpes genitalis, schweren Verläufen, häufigen Rezidiven und bei immunsupprimierten Patienten angezeigt. Aciclovir und seine Derivate Valaciclovir und Famciclovir wirken – nach Aktivierung durch die virale Thymidinkinase – durch selektive Hemmung der viralen DNA-Polymerase. Sie reduzieren die Symptomdauer, die Virusausscheidung und die Komplikationsrate.

Die orale Therapie dauert fünf bis zehn Tage und erfordert eine gute Beratung, um die Adhärenz bei den Patienten zu erreichen.

Die orale Medikation ist verschreibungspflichtig – mit einer Ausnahme. Nach einer kürzlichen Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) ist Aciclovir als »Buccaltablette in Konzentrationen von 50 mg je abgeteilter Arzneiform zur Anwendung bei rezidivierendem Herpes labialis bei immunkompetenten Erwachsenen in Packungsgrößen bis zu 100 mg« von der Rezeptpflicht befreit.

Eine kurative Therapie, die das Virus vollständig eliminiert, steht bislang nicht zur Verfügung.

Ergänzend sind Medikamente zur symptomatischen Behandlung wie Analgetika (Paracetamol, Ibuprofen) und Zink-haltige Präparate zur Unterstützung der Wundheilung sinnvoll. Auch Herpespflaster können durch den mechanischen Schutz und die Reduktion der Virusverbreitung die Therapie unterstützen.

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