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DAV-Wirtschaftsforum

Gute Aussichten für Apotheker

Es sind turbulente aber auch ordnungspolitisch ergebnisreiche Zeiten für die deutschen Apotheker. Auf dem Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands (DAV) zog der DAV-Vorsitzende Fritz Becker Bilanz. Er lobte das geplante Apotheken-Stärkungsgesetz, erläuterte aber auch Nachbesserungsbedarf. Zudem kündigte er zur Nutzung des E-Rezepts eine Web-App des DAV an.
Ev Tebroke
08.05.2019
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Angesichts der in den letzten Monaten teilweise hart geführten Diskussionen innerhalb der Apothekerschaft um die Forderung nach einem Rx-Versandverbot (Rx-VV) und der Aufrechterhaltung auch gegen den Willen der Politik ging Becker zunächst auf die Entstehung der innerverbandlichen Meinungsbildung ein. 

Die Apotheker hätten es sich nicht leicht gemacht, das favorisierte Versandverbot für verschreibungspflichtige Medikamente hintenanzustellen, zugunsten einer anderen Lösung zum Erhalt der Gleichpreisigkeit im Rx-Markt. Trotz anders lautendem Koalitionsvertrag sei schnell klar gewesen, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das Verbot nicht wollte. »Für uns alle eine bittere Erkenntnis«, so Becker heute in Berlin. Aber das Rx-VV sei kein Selbstzweck, sondern es solle der Absicherung einheitlicher Preise dienen. Spahn habe immer betont, wie wichtig die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Apothekenleistungen für ihn sei. Sein jahrelanges Eintreten für gesondert zu entgeltende  pharmazeutische Dienstleistungen der Apotheken verleihe seinen entsprechenden Aussagen hohe Glaubwürdigkeit.

Vor diesem Hintergrund sei es sinnvoller gewesen, mit dem Minister die Chance zu ergreifen, andere Wege der Gleichpreisigkeit zu erlangen und in die honorierten Dienstleistungen einzusteigen, als weiterhin ein Rx-VV einzufordern, so Becker. »Mit diesen neuen Entwicklungsmöglichkeiten verbessern wir nicht nur die Versorgung der Menschen, sondern stärken außerdem die Apotheken vor Ort.« Der Versandhandel könne und wolle die niederschwelligen Leistungen, die Vor-Ort-Apotheker anbieten, nicht erbringen. Sie seien schlichtweg zu individuell und zu bürgernah und ließen sich damit nur schwer automatisieren und skalieren, betonte der DAV-Vorsitzende. 

Keine vollständige Gleichpreisigkeit

Dem Ziel einheitlicher Abgabepreise für alle Marktteilnehmer wird der Gesetzentwurf Becker zufolge aber nicht gerecht. »Zur Wahrheit gehört, dass der aktuelle Entwurf eine vollständige Rückkehr zur Gleichpreisigkeit nicht vorsieht.« Ein besonders wichtiger Punkt hierbei sei die vorgesehene Streichung der Regelung zur Einheitlichkeit der Preise in § 78 Absatz 1 Satz 4 im Arzneimittelgesetz (AMG). Dies lehnten die Apotheker strikt ab.

Die von Spahn geplante Bindung der Arzneimittelpreisverordnung (AmPreisV) als Teil des Rahmenvertrags habe aber den Vorteil, dass er die Bedeutung einheitlicher Abgabepreise gerade für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) stärker betone. »Sollte sie vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) angegangen werden, haben wir alle Chancen auf eine vehemente Verteidigung durch die Bundesregierung und Bundestag«, hob Becker hervor. Denn wer selbst innerhalb der GKV einheitliche Arzneimittelpreise in Frage stelle, stelle die solidarische Krankenversicherung in Frage und damit die nationale Zuständigkeit für die Gesundheitsversorgung. Dabei gehe es nicht um den Schutz einzelner Akteure, sondern um die elementare Frage, ob der deutsche Sozialstaat erhalten werden darf. »Parteiübergreifend ist in der deutschen Politik eine deutliche Bereitschaft erkennbar, diese rote Linie zu verteidigen«, so der DAV-Vorsitzende.

Mit dem nun gewählten Weg hätten die Apotheker zum wiederholten Male gezeigt, dass sie kompromissbereit und vor allem auch kompromissfähig seien. »Bei allem Unbehagen: Der beschriebene Weg sichert uns auch unsere Sprachfähigkeit gegenüber der Gesundheitspolitik. Denn wer sich auf ein einziges Thema versteift oder rein konfrontativ auftritt, verpasst den Anschluss nur allzu leicht. Wir selber aber haben an guter Zusammenarbeit mit der Politik ein großes Interesse. Wir benötigen ihre Unterstützung, nicht nur im Bereich Digitales«, erläuterte Becker.

Hier bezog sich Becker auf die Umsetzung einer patientenfreundlichen Lösung für den Einsatz des E-Rezepts und präsentierte die sogenannte Web-App des DAV. Mit dieser betriebssystemunabhängigen kostenfreien Anwendung soll der Patient künftig E-Rezepte unabhängig vom Endgerät und ohne zusätzliche Softwareinstallationen sicher verwalten können. Die Anwendung, mit der die Patienten auch direkt mit der Apotheke kommunizieren können, steht demnach allen Apothekern offen.

Grundsätzlich lobte der DAV-Vorsitzende, was die Apotheker in den letzten Monaten erreicht hätten. Mit dem geplanten Gesetz werden demnach viele Regelungen durchgesetzt, die die Apotheker begrüßen. Neben den honorierten pharmazeutischen Dienstleistungen soll etwa auch das Wiederholungsrezept eingeführt werden. Zudem soll vor dem Hintergrund des E-Rezepts die freie Apothekenwahl gestärkt und das Makeln von Rezepten auch durch Dritte verboten werden.  Auch sollen die Apotheker künftig im Rahmen von Modellprojekten Grippeimpfungen durchführen können. Lobend erwähnte Becker auch das Projekt Securpharm zum Schutz vor Arzneimittelfälschungen. Es bleibe ein laufendes Projekt aber ein Anfang sei gemacht.

Darüber hinaus zeigte sich Becker erfreut über den neuen Rahmenvertrag, den der DAV nach zähen Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband geschlossen hat und der nun ab 1. Juli 2019 unter anderem mehr Klarheit bei der Retaxationen bringen soll, sowie Erleichterung bei den Verfügbarkeitsprüfungen von Arzneimitteln.

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