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Fälschungsschutz

Securpharm nimmt Fahrt auf

Seit dem 9. Februar müssen alle neuen Rx-Arzneien einen QR-Code auf der Packung tragen. Bestandsware darf noch ohne diese neuen Sicherheitsmerkmale abverkauft werden. Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands, Hans-Peter Hubmann, war bei der ABDA für Securpharm zuständig. Eine erste Bilanz.
Daniel Rücker
14.03.2019
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PZ: Seit 9. Februar 2019 ist Securpharm im Regelbetrieb. Wie zufrieden sind Sie mit der Startphase?

Hubmann: Ich bin zufrieden. Die von vielen befürchteten chaotischen Abläufe in den Apotheken haben sich nicht bewahrheitet. Natürlich gibt es am Anfang kleine Widrigkeiten. Manche Apotheker werden sich trotz unserer Hilfestellungen noch an den neuen Prozess gewöhnen müssen. Aber das ist in meinen Augen leistbar.

PZ: Gab es rund um die Einführung von Securpharm Proteste?

Hubmann: Beim bayerischen Landesverband war es ruhig. Es gab kaum Kritik, nur ein paar Anfragen wegen der Kostenregelung. Aufgefallen ist uns allerdings, dass einige Codierungen im Markt sind, die nicht den Securpharm- Regeln entsprechen. Das verwirrt die Kollegen.

PZ: Gibt es das Problem noch?

Hubmann: Leider ja. Die Codierungen sind teilweise noch fehlerhaft. Einige Hersteller haben die Codes für die Bestandsware noch nicht Securpharm-konform umgesetzt. Es sind noch Codierungen im Handel, die mit Securpharm nichts zu tun haben und die dann eben zu Problemmeldungen wie »nicht Securpharm konform« oder »nicht in Securpharm integriert« führen. Es handelt sich um keine Alarmmeldungen, sie reichen aber eben schon, das Personal am Anfang zu verunsichern. Die falschen Codes machen uns am meisten zu schaffen und die Ungewissheit, muss die Packung nun einen Code habe oder nicht. Wir drehen deshalb die Packung mehrmals um, weil wir nicht sicher sind, ob wir den Code übersehen haben. Auch das Packungsdesign einiger Hersteller ist dafür verantwortlich, dass selbst mit dem Scanner- Update und mehrmaligen Einscannen der Code sehr schlecht lesbar ist. Das macht keine Freude.

PZ: Kann man sagen, dass ausländische Hersteller mehr Probleme machen?

Hubmann: Nein, die Importeure haben gut gearbeitet.

PZ: Gibt es Kritik von Apothekern?

Hubmann: Sicher sind einige Apotheker unzufrieden. Das ist aber sehr selte­n. Was den Kollegen wirklich unter den Nägeln brennt, ist der zeitliche Mehraufwand wegen der gefühlten zusätzlichen Scans. Das wird aber von den Kollegen sehr unterschiedlich bewertet. Bei manchen ist es schon Routine, andere ärgern sich jeden Tag darüber.

PZ: Haben kleinere Apotheken mit weniger Personal mehr Schwierigkeiten als große Apotheken?

Hubmann: Nein, aus meiner Erfahrung haben kleinere Apotheken weniger Probleme, denn sie sind oft sehr gut organisiert. Wenn sie wenig Personal haben, müssen sie mit ihren Ressourcen haushalten. Um Fehler zu vermeiden, haben sie ihr Warenlager gut in Schuss. Und wenn man den Gegenscan macht, ist der Securpharm-Scan damit schon abgegolten. Apotheken haben dann mit Securpharm Probleme, wenn das Scannen für sie nicht Routine ist. Dann es ist es ein echter Zusatzaufwand.

PZ: Ist der Aufwand deutlich größer geworden?

Hubmann: In meinen Apotheken gab es nahezu keinen Zusatzaufwand, weil wir schon immer gescannt haben. Das hängt sehr vom Betriebsablauf der Apotheke ab. Aber selbst, wenn man das Scannen beherrscht, muss man wissen, ob ein Code auf der Packung sein muss. Schon das bedeutet Mehraufwand. Wenn man nicht an der Kapazitätsgrenze des Personals arbeitet, ist das noch zu verkraften.

PZ: Wie läuft Securpharm denn insgesamt in Deutschland? Gibt es Regionen, in denen es Schwierigkeiten gibt?

Hubmann: Schwerpunkte konnten wir bislang nicht ausmachen. Sicher gibt es Gegenden, in denen die Netzanbindung anfälliger ist, als in anderen Gebieten.

PZ: Gibt es bereits eine Resonanz aus der Politik, dass das gut funktioniert hat oder wird es für selbstverständlich gehalten?

Hubmann: In unseren Augen wird es als selbstverständlich hingenommen. Allerdings kommt die Fürsorge der Apotheker für die Arzneimittelsicherheit in der Öffentlichkeit schon gut an.

PZ: Ist Securpharm den Aufwand wert?

Hubmann: Auf jeden Fall. Wenn durch eine Fälschung ein Menschenleben auf dem Spiel stünde oder die Gesundheit schwer beeinträchtigt würde und wir es verhindern können, ist Securpharm jeden Aufwand wert. Wir sind damit weiterhin der Garant für Arzneimittelsicherheit.

»Die falschen Codes machen uns am meisten zu schaffen«

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