| Melanie Höhn |
| 05.05.2026 18:00 Uhr |
Diskutierten über Präventionsstrategien für Apotheken (v.l.): Daniela Hüttemann (Moderatorin, PZ), Annette Rommel (Kassenärztliche Vereinigung Thüringen), Anke Rüdinger (Deutscher Apothekerverband), Andrea Galle (mkk) und Silke Heinemann (BMG). / © PZ/Paulina Kamm
In Zeiten knapper Fachkräfte sei es wichtig sei, alle Ressourcen im Gesundheitswesen mit an Bord zu holen, gerade wenn es um das Thema Prävention geht, betonte Silke Heinemann, Abteilungsleiterin Prävention, Krankheitsbekämpfung, Öffentliche Gesundheit des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in ihrem Impulsvortrag beim DAV-Wirtschaftsforum in Berlin. Aus ihrer Sicht sind Apotheken für niedrigschwellige Prävention »hervorragend geeignet«.
Jede vermiedene Erkrankung verhindere nicht nur persönliches Leid, sondern schone auch Kosten und Ressourcen im Gesundheitswesen. »So war es auch folgerichtig, dass mit den kürzlich vorgelegten Vorschlägen der Finanzkommission auch Vorschläge zu Lenkungssteuern für Tabak, Alkohol und zuckerhaltige Getränke vorgelegt wurden«, so Heinemann. »Wir arbeiten an der Umsetzung.« 70 Prozent der Krebserkrankungen könnten vermieden werden, wenn man diese Risikofaktoren »halbwegs« in den Griff bekomme.
Zudem erklärte Heinemann, dass die Krankenkassen mit ihren Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland insgesamt fast neun Millionen Menschen erreicht hätten. Auch das BMG habe sich das Thema Prävention auf die Fahnen geschrieben und unter anderem den Nationalen Krebsplan neu aufgelegt und das Thema Primärprävention in den Fokus genommen. »Die Ministerin hat eine Präventionsoffensive vor dem Sommer angekündigt, daran arbeiten wir gerade«, so Heinemann.
Wie Apotheken konkret in die Präventionsoffensive eingebunden werden sollen, ließ sie allerdings noch offen. Im Rahmen der Offensive wolle man zunächst alle Akteure an einen Tisch holen und ein gemeinsames Bewusstsein schaffen. »Und wie Sie wissen, eine Apothekenreform in dem Sinne wird auch im Bundestag diskutiert«, sagte Heinemann. »Was am Ende des Tages herauskommt, muss dann im Bundestag entschieden werden.«
Laut Anke Rüdinger, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, werden Apotheken im BMG im Bereich Prävention bisher noch nicht richtig mitgedacht. Im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) seien gute Ansätze enthalten, beispielsweise das Verimpfen von Totimpfstoffen oder die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen wie etwa Raucherentwöhnung oder ein Screeningverfahren für die Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
»Prävention ist mehr als Früherkennung«, erklärte Rüdinger. Menschen müssten in die Lage versetzt werden, gesund zu bleiben. Hierbei spielten auch Stadtentwicklung und Bildung eine Rolle. »Hierbei können die Apotheken gut unterstützen und auch eigene Angebote machen.« Für Rüdinger fungieren Apotheken auch als Lotsen, was Präventionsangebote angeht: »Neun Millionen Menschen erreichen wir in drei Tagen.« Hier gebe es ein großes Potenzial als erster Ansprechpartner, auch in der Steuerung von Patienten.