| Cornelia Dölger |
| 16.09.2026 17:00 Uhr |
Zahlen und Daten zur Selbstmedikation aus der Apotheke lieferte Anja Klauke vom BPI beim Expopharm-Panel »Das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln: Wer gewinnt, wer verliert?« / © PZ/Dölger
Anja Klauke zeichnete im Panel »Das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln: Wer gewinnt, wer verliert?« ein ambivalentes Bild der OTC-Märkte. Die Selbstmedikation bleibe für Apotheken von zentraler Bedeutung, denn mehr als die Hälfte aller in Apotheken abgegebenen Packungen entfielen auf rezeptfreie Arzneimittel.
Von den 671 Mitgliedsunternehmen ihres Verbands seien 84 Prozent mittelständische Unternehmen. Rund 83 Prozent der Hersteller seien im OTC-Bereich aktiv, dies unterstreiche die enge Verbindung zwischen Industrie und Apotheken, so Klauke. OTC-Produkte machten demnach 51 Prozent aller Packungen aus und prägten so das Beratungsgeschäft in den Apotheken maßgeblich. »OTC werden also am meisten in der Apotheke besprochen und verkauft, das sollte man sich vor Augen führen.«
Mit Blick auf die Marktentwicklung verwies Klauke auf ein Umsatzwachstum von 2,6 Prozent von 2024 auf 2025 sowie eine zunächst stabile Entwicklung im ersten Halbjahr 2026. Insgesamt verzeichneten Apotheken ein Plus bei OTC von 2,3 Prozent. Das große »Aber« setzte Klauke aber gleich hintenan: Denn während die Zahlen in lokalen Apotheken um 0,7 Prozent zurückgingen, könne der Versandhandel plus zwölf Prozent verbuchen. »Da haben wir schon ein Thema«, so Klauke.
»Ehrlicher« als Umsatzzahlen seien ohnehin Absatzzahlen – und hier zeige sich eine zunehmende Stagnation, betonte Klauke. Im ersten Halbjahr gab es ihr zufolge bei OTC ein Minus von 1,6 Prozent, bei den Apotheken schlug sich der Trend mit minus 4,3 Prozent nieder. Der Versand hingegen verbuchte ein Plus von acht Prozent.
Zwar würden weiterhin rund drei Viertel des OTC-Geschäfts über die Vor-Ort-Apotheken laufen, die Entwicklung zeige jedoch, dass Apotheker und Hersteller noch enger zusammenarbeiten müssten. Der Trend dürfe sich nicht verstetigen.
Besonders deutlich werden die Verschiebungen Klauke zufolge in einzelnen Produktgruppen. Während Husten- und Erkältungsmittel lange als verlässliche Domäne der Apotheken galten, sei der Versandhandel in diesem Segment zuletzt stark gewachsen.
Nahrungsergänzungsmittel entwickelten sich dagegen in allen Vertriebskanälen positiv. Dies wertete Klauke als Hinweis darauf, dass Verbraucher in diesem Bereich weiterhin Beratung suchen und die Apotheke als kompetenten Ansprechpartner wahrnehmen. Bei Hautmitteln sieht sie sogar besondere Chancen für die Apotheken: Durch intensive Beratung und Therapiebegleitung könnten sie ihre Kompetenz gezielt ausspielen und sich von anderen Anbietern abheben.
Klauke warnte zugleich vor neuen Wettbewerbern. Nicht jeder Umsatzverlust der Apotheken komme automatisch dem Versandhandel zugute. Teilweise wanderten Käufe auch in andere Kanäle ab, etwa weil Influencer Produkte in sozialen Medien bewerben und Verbraucher ihre Kaufentscheidungen zunehmend dort treffen.
Hier hätten die Apotheken Nachholbedarf: Die fachliche Kompetenz der Apotheken müsse auch digital und in sozialen Netzwerken sichtbarer werden. »Wo sind die Haut-Influencer der Apotheke?«, fragte Klauke. Hier hätten die Offizinen ein immenses Potenzial. Gerade in beratungsintensiven Bereichen dürften sie das Feld nicht anderen Akteuren überlassen.
Der Wettbewerb um den OTC-Markt werde insgesamt intensiver. Neben dem Versandhandel drängten weitere Anbieter in den sogenannten Mass Market. Besonders Amazon habe sich inzwischen zu einem ernst zu nehmenden Marktführer entwickelt und mache deutlich, dass die Apotheken ihre Stärken in Beratung, Vertrauen und persönlicher Begleitung der Patienten künftig noch stärker herausstellen müssen.