| Lukas Brockfeld |
| 16.09.2026 14:00 Uhr |
Hauke Kalz sprach auf der Expopharm über die Zukunft der Apotheken. / © PZ/Brockfeld
Zu Beginn seines Vortrags erklärte Hauke Kalz, dass es in der Gesundheitsversorgung schon lange ein Paralleluniversum gibt, in dem sich Patienten an telemedizinische Plattformen, Künstliche Intelligenz und Versandhändler wenden. Gleichzeitig müssten immer mehr Vor-Ort-Apotheken schließen. »Vor diesem Hintergrund ist es unerlässlich, dass sich Apotheken und Arztpraxen in neuen Versorgungskreisläufen wiederfinden«, betonte Kalz.
Technische Innovationen hätten in der Vergangenheit immer wieder zu Änderungen im Nutzungsverhalten geführt. Das Unternehmen Blackberry habe beispielsweise vor 20 Jahren den Smartphonemarkt dominiert, sei dann aber in kurzer Zeit von Apple und dem iPhone verdrängt worden. »Auch wir leben in einer Branche, die vor einer technischen Umwälzung steht«, sagte Kalz. Aktuell werde der Versandhandel noch durch vergleichsweise umständliche Verfahren wie Card-Link ausgebremst. Doch die einfache E-Rezept-Nutzung stünde mit der TI 2.0 schon in den Startlöchern.
»Wir sind in unserer Apothekenblase. Doch wie werden sich die Menschen verhalten, wenn die TI 2.0 da ist und alles nur noch auf dem Smartphone stattfindet?«, fragte Kalz. Schon das ungelenke Card-Link-Verfahren habe zu einer deutlichen Umsatzsteigerung des Versandhandels geführt. Gleichzeitig verloren die Vor-Ort-Apotheken an Rx-Umsatz.
»Erleben wir gerade unseren BlackBerry-Moment?«, fragte Kalz. Im Augenblick hätten die Apotheken noch viele Stammkunden, doch die seien oft schon über 70. Bei jüngeren Kundinnen und Kunden, insbesondere den »jungen Chronikern« zwischen 40 und 70, könnten die Offizinen bald viel Umsatz verlieren. »Das ist die wichtigste Zielgruppe, die sie adressieren müssen«, mahnte Kalz.
Damit das gelingt, müssten sich die Apotheken zu Gesundheitsdienstleistern transformieren. Dafür sollten sie beispielsweise mehr pharmazeutische Dienstleistungen anbieten. »Hier sollte viel mehr Gewicht darauf gelegt werden. Das ist Kundenbindung, die in der Apotheke stattfindet«, sagte Kalz.
Auch Impfungen böten die Chance, die Apotheken neu aufzustellen und Kunden zu binden. »Avatare können nicht impfen, sie kriegen keine Impfung im Internet«, betonte Kalz. Die Apotheken müssten – genau wie die anderen Heilberufler – neue Angebote schaffen, um sich zu behaupten. Jede Lücke würde von großen Unternehmen wie dm ausgenutzt. »Wenn wir es nicht machen, machen es andere«, mahnte der Healthcare-Experte.