| Melanie Höhn |
| 16.09.2026 15:30 Uhr |
Die Apothekerin Astrid Janovsky sieht großes Potenzial für Apotheken im Bereich Frauengesundheit. / © PZ/Melanie Höhn
In der Central-Apotheke in Wernau setzt Filialleiterin Astrid Janovsky einen besonderen Schwerpunkt auf das Thema Frauengesundheit. Es sei zwar ein Trendthema in der Offizin, jedoch würden viele Frauen Beschwerden noch immer verschweigen oder nur zögerlich ansprechen.
Janovsky ist davon überzeugt, dass Apotheken eine hilfreiche Anlaufstelle sind, in der auch sensible Themen offen angesprochen werden können und Frauen kompetente Orientierung bei Beschwerden wie Wechseljahresbeschwerden, Darmgesundheit, Osteoporose oder Blasenschwäche erhalten können.
Beim Thema Wechseljahre sieht Janovsky weiterhin großen Aufklärungsbedarf, denn viele Frauen wüssten trotz zunehmender medialer Aufmerksamkeit noch immer nicht, dass ihre Beschwerden damit zusammenhängen können. »Wechseljahressymptome können sehr unterschiedlich sein. Seien Sie sehr sensitiv dahin gehend in der Apotheke«, sagt sie. Wichtig sei eine individuelle Beratung, bei der sowohl pflanzliche Möglichkeiten als auch die moderne Hormonersatztherapie sachlich betrachtet werden.
Ihre zentrale Botschaft lautet: »Man muss das nicht aushalten.« Apothekenteams sollten deshalb auch bei ungewöhnlicheren Beschwerden aufmerksam werden, denn neben Hitzewallungen und Schlafstörungen könnten beispielsweise Schwindel oder plötzlich auftretende Schmerzen eine Rolle spielen.
Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten sieht Janovsky neben Antibiotika auch Chancen für pflanzliche Therapieoptionen. Dennoch müssten Beschwerden ernst genommen werden, insbesondere wenn Fieber oder Blut im Urin auftreten. In der Beratung könne die Apotheke deshalb stärker auf pflanzliche Möglichkeiten hinweisen, die je nach Präparat unter anderem die Anhaftung von Bakterien an der Blasenschleimhaut erschweren können. Janovsky ist überzeugt, dass die Phytotherapie dabei mehr Beachtung verdient: »Ich bin ein großer Freund der Phytotherapie, weil ich es einfach erstaunlich finde, was Pflanzen so alles können.« Gerade hochwertige pflanzliche Präparate seien zwar teilweise aufwendiger in der Herstellung, könnten aber eine sinnvolle Ergänzung der Beratung sein.
Blasenschwäche ist für Janovsky ein Thema, das in der Apotheke noch »viel mehr präsent« sein könnte. Betroffen seien sehr viele Frauen, darunter auch sportliche und jüngere Patientinnen. Deshalb sollten Apothekenteams das Thema sichtbar machen, etwa indem sie entsprechende Produkte in der Freiwahl platzieren oder Informationsmaterial anbieten. Laut der Apothekerin ist Inkontinenz »nichts, was man jetzt einfach mal so leicht anspricht«. Vielmehr müsse man den Frauen bei diesem Thema die Hand reichen. Neben geeigneten Produkten sollte dabei auch das Beckenbodentraining zur Sprache kommen.