Pseudoephedrin-haltige Kombinationsmittel werden etwa bei Erkältung eingesetzt. Bislang sind sie nur bei schwerer oder unkontrollierter Hypertonie sowie bei anderen schweren kardiovaskulären Erkrankungen kontraindiziert. Die Herzstiftung geht da weiter und rät von diesen Mitteln grundsätzlich ab. / © Getty Images/Westend61/Daniel Ingold
Insgesamt 51 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen, die sich auf sieben rezeptfreie Präparate mit Pseudoephedrin bezogen, gingen bei der AMK zwischen 2013 und dem 30. Juni 2026 ein. 19 Meldungen betrafen Kombinationen mit Acetylsalicylsäure (ASS), 17 Meldungen solche mit Ibuprofen und 15 Kombinationsmittel mit H1-Antihistaminika.
»Das berichtete Spektrum an Nebenwirkungen war heterogen«, berichtet die AMK. Besonders häufig (31-mal) wurden kardiovaskuläre Symptome wie Tachykardie und Blutdruckanstieg gemeldet. In 19 Berichten ging es um allergische Reaktionen wie Exanthem und Juckreiz. Sieben Meldungen enthielten Symptome beider Gruppen.
Betroffen waren mehr Frauen als Männer (41 versus zehn). Die Altersspanne war mit 19 bis 84 Jahren breit, wobei am häufigsten Personen zwischen 40 und 49 Jahren betroffen waren. Ein altersabhängiges Risiko lasse sich nicht aus den Daten ableiten. Erst kürzlich hatten Pharmakologen der Medizinischen Hochschule Hannover die Daten von drei Giftinformationszentren in Deutschland ausgewertet. Hier waren vor allem Unter-Sechsjährige betroffen, meist durch unbeabsichtigtes Verschlucken.
Pseudoephedrin löst als indirektes Sympathomimetikum eine Vasokonstriktion aus, was den Blutdruck ansteigen lässt und auch zu Vasospasmen führen kann. Es steht sogar unter Verdacht, Herzinfarkte auszulösen – auch bei bislang scheinbar gesunden Menschen. Bei welchen Risikokonstellationen genau, wird derzeit wissenschaftlich untersucht.
Die AMK verweist auch auf einen Fallbericht der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), bei dem ein 42-jähriger Mann nach erstmaliger Einnahme eines Kombiarzneimittels mit Pseudoephedrin und ASS innerhalb von 30 Minuten Schmerzen im Brustkorb und Schweißausbrüche zeigte. »Im weiteren Verlauf traten Kammerflimmern, generalisierte Koronarspasmen sowie ein Hinterwandinfarkt auf«, berichtet die AMK. »Eine Reanimation mit Defibrillation war erforderlich. Der Patient wurde intensivmedizinisch versorgt und erhielt mehrere Stents.« Der Mann nahm gleichzeitig das H1-Antihistaminikum Cetirizin ein.
»Pseudoephedrin-haltige Kombinationsarzneimittel sind bei schwerer oder unkontrollierter Hypertonie sowie bei anderen schweren kardiovaskulären Erkrankungen, darunter koronare Herzkrankheit und Tachyarrhythmien, kontraindiziert«, erinnert die AMK. ASS wiederum kann Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen, insbesondere bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen.