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Psychopharmaka
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Nebenwirkungen besser einschätzen

Wie lassen sich Nebenwirkungen und die anticholinerge Last von Psychopharmaka besser einschätzen? Eine Expertin stellt praktische Tools und Übersichten für die Medikationsanalyse vor.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 14.09.2026  16:20 Uhr

»Jeder sechste Mensch in Deutschland hat eine psychische Erkrankung«, betonte Apothekerin Professor Dr. Martina Hahn, Leiterin des Fachbereichs klinische Pharmazie an der Klinik für psychische Gesundheit am Varisano Klinikum Frankfurt Höchst, in ihrem Impulsvortrag beim Webinar »pDL Akademie« von Pharma4u am 10. September.

Bei einer Medikationsanalyse sei es daher wahrscheinlich, auf mindestens ein Psychopharmakon zu stoßen. Gerade weil Psychopharmaka sehr unterschiedliche Nebenwirkungsprofile haben, können geeignete Übersichten und digitale Tools dabei helfen, Risiken schneller einzuschätzen und die Arzneimitteltherapie individueller zu beurteilen.

Anticholinerge Last abschätzen

Um die anticholinerge Last einer Gesamtmedikation abzuschätzen, gibt es frei zugängliche ACB-Kalkulatoren (ACB: Anticholinergic Burden). Dort lassen sich alle Wirkstoffe eingeben; das Programm berechnet daraus einen ABC-Score. Je höher der Wert, desto höher die anticholinerge Last. »Die 3 ist der magische Grenzwert«, sagte Hahn. Ab diesem Score träten anticholinerge Nebenwirkungen wie Delir, Stürze, Sedierung, Tremor oder Sehstörungen deutlich häufiger auf. »Wir sollten also versuchen, unter diesem Wert zu bleiben, insbesondere bei den Älteren.«

In der Praxis werde dieser Wert allerdings manchmal deutlich überschritten. »Wir haben manchmal Patienten mit einem anticholinergen Score von 15«, berichtete die Referentin. Bei diesen Patienten könne sich die gesamte Bandbreite anticholinerger Nebenwirkungen zeigen – von Obstipation und Tachykardie bis zu Müdigkeit und Schläfrigkeit.

Antidepressiva: Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Nebenwirkungen können die Adhärenz beeinträchtigen oder dazu führen, dass Patienten ihre Psychopharmakotherapie ganz abbrechen. Bei der Auswahl oder Umstellung eines Arzneistoffs lohnt es sich daher, das individuelle Nebenwirkungsprofil in die Entscheidung einzubeziehen. Auch Professor Dr. Kristina Friedland von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz betonte vergangenes Jahr beim Pharmacon in Meran, dass es bei der Therapietreue in Bezug auf Antidepressiva vor allem auf die individuelle Verträglichkeit ankommt.

Einen schnellen Überblick bietet eine Grafik aus einer Übersichtsarbeit mit Metaanalyse eines Forschungsteams um Dr. Toby Pillinger vom King’s College London, auf die Hahn in ihrem Vortrag einging (»The Lancet« 2025, DOI: 10.1016/S0140-6736(25)01293-0). In Abbildung 5 sind die verschiedenen Antidepressiva zahlreichen Nebenwirkungen gegenübergestellt. Die Farbskala zeigt, bei welchen Wirkstoffen eine Nebenwirkung häufiger oder seltener auftritt.

»Am Beispiel Gewichtszunahme sehen Sie, dass einige Wirkstoff eher günstig sind. Das Gewicht geht zum Beispiel eher runter bei Bupropion, das auch in Kombination mit Naltrexon zur Gewichtsreduktion zugelassen ist. Dagegen gibt es einige Arzneistoffe, wie Mianserin und Mirtazapin, die eine Gewichtszunahme verursachen«, so die Referentin. Sie selbst nutze solche Tabellen, um Ärzten Vorschläge zu machen, welcher Arzneistoff für den jeweiligen Patienten besser geeignet sein könnte. »Meistens schlage ich gleich zwei bis drei Alternativen vor, sodass der Arzt eine Auswahl hat«, so die Expertin.

Auch eine CYP-Tabelle gehört für Hahn zum Handwerkszeug. Sie hilft dabei, den Abbau eines Arzneistoffs nachzuvollziehen und pharmakokinetische Interaktionen zu erkennen. »Das empfehle ich auch allen jungen Assistenzärzten.« Bei Psychopharmaka seien insbesondere CYP2D6 und CYP2C19 für Wechselwirkungen relevant.

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