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Linnemann bei DAT-Eröffnung
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Versender betreiben Wettbewerbsverzerrung

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat in seinem Grußwort zur Eröffnung des Deutschen Apothekertags (DAT) seine Wertschätzung gegenüber den Apotheken unterstrichen. Sie stünden für besondere Werte und übernähmen auch soziale Verantwortung. Zwei Baustellen im Gesundheitsbereich skizzierte er.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 15.09.2026  14:10 Uhr

Linnemann dankte für die freundliche Begrüßung und dafür, dass er den ersten Termin als vereidigter Minister hier abhalten dürfe. Auch der BMG-Staatssekretär Georg Kippels (CDU) war zugegen. Linnemann sagte, er wolle das Pferd von hinten aufzäumen. In der Buchhandlung seiner Eltern habe er in seiner Jugend sein Taschengeld aufgebessert. Dabei habe er festgestellt, dass das Innenstadtleben mit Apotheken stattfinde. Das sage er nicht aus Höflichkeit. Apotheken seien ein soziales Netzwerk – gleichzeitig Unternehmer, die Geld verdienen müssten. Durch ihre Standorttreue hätten sie »Deutschland lebenslänglich gebucht«, das sei ein Wert an sich. Apotheken übernähmen Verantwortung für die Gesellschaft.

Nach sechs Wochen im Amt berichtete er von seinem »frischen Blick«, den er auf die Gesundheitsthematik habe. Er fühle eine große Unabhängigkeit. Kontakte zu Apotheken habe er bereits gehabt, auch die Standesvertretung sei bei ihm zu Besuch gewesen – und habe das Buch »Die Apotheke – Zahlen, Daten, Fakten« mitgebracht.

Erschreckend sei der anhaltende Apothekenrückgang, so der Minister. Der Verlust habe Folgen für die Versorgung. Seine Amtsvorgängerin Nina Warken habe die Reform auf den Weg gebracht – sie sei ein Erfolg, wie Preis betont habe. Die Apotheken würden eine stärkere Rolle spielen, auch bei der Notfallreform und der Primärversorgung.

Ärzte hätten ihn diesbezüglich kontaktiert und die »Kompetenzausweitung« kritisiert. Angesichts der anzustrebenden Patientensteuerung seien die Apotheken aber eine gute erste Anlaufstelle, so Linnemann. Auch bei der Ermittlung von Erkrankungen und anschließender Überweisung an den Arzt würden Praxen entlastet.

Baustellen Versandhandel und Medizinalcannabis

Auf die noch ausstehende »Mantelverordnung« sei er im neuen Amt sofort angesprochen worden, sie sollte direkt nach der Vereidigung unterschrieben werden – dies habe er in der vergangenen Woche direkt nach seiner Vereidigung erledigt. »Nächste Woche können Sie mit Ihren Großhändlern Skonti verhandeln«, so Linnemann.

Was ihn beschäftige, sei der Versandhandel. Die Beschlüsse der EU und von nationalen Gerichten passten nicht zusammen. Die Versender würden für Zuzahlungserlass werben – volkswirtschaftlich nenne man das »Wettbewerbsverzerrung«. Man wolle keinen Keil zwischen online und offline treiben, aber die Antwort sei, es dürften beide oder keiner. »Wir müssen das abstellen.«

Dass die Paritätische Stelle noch nicht aktiv geworden sei, sei klar angesichts der Haftungsfrage. Die Stärkung durch das ApoVWG reiche womöglich auch nicht aus, räumte Linnemann ein. Für ehrliche Wettbewerbsbedingungen mache er »Lobby« und setze sich ein, so Linnemann.

Zudem sorgt er sich um das Thema Medizinalcannabis. Seit der Teillegalisierung seien die Importe von Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken nach Deutschland massiv gestiegen. 2023 habe das Volumen 30 Tonnen betragen, 2026 seien es bereits  300 Tonnen, eine Verzehnfachung innerhalb von drei Jahren. »Das darf uns als Mensch, als Bürger dieses Landes nicht kaltlassen.« Das sei Missbrauch, es gehe um Drogenkonsum zu Rauschzwecken. Eine Studie beschäftige sich aktuell mit der Zunahme der Krankenhausaufenthalte, der Konsum von Cannabis werde von den Autoren als mögliche Ursache angesehen. »Es ist unverantwortlich, was wir hier in Deutschland zulassen«, so Linnemann.

Die Plattformen lüden geradezu zum Missbrauch ein, so Linnemann mit dem Verweis auf die fragwürdigen Fragebögen zur Verschreibung. Linnemann kündigte an: »So darf es nicht weitergehen.«

Linnemann lud die Apotheker zum »engen Austausch« ein, man sei »sehr nett« zu ihm gewesen. Kritik sei jederzeit willkommen, auch das gehöre dazu, so Linnemann. Er komme nächstes Jahr gern wieder.

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