| Cornelia Dölger |
| 08.09.2026 10:25 Uhr |
Carsten Linnemann wurde vor gut vier Wochen zum neuen Bundesgesundheitsminister ernannt, heute wurde er vereidigt. / © Imago/dts Nachrichtenagentur
Mit festem Blick leistete Linnemann den in Artikel 56 des Grundgesetzes verankerten Amtseid. Er lautet: »Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.« Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden, Linnemann verzichtete aber nicht darauf.
»Sie haben den Eid geleistet, ich wünsche Ihnen alles Gute, herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen für Ihre Arbeit«, so Klöckner. Auch der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger legte seinen Amtseid ab. Beide Minister sowie die neue Kanzleramtschefin Nina Warken (CDU) hatten ihre Ämter schon vor gut vier Wochen angetreten. Warken wurde heute nicht vereidigt, weil sie zuvor bereits Bundesministerin war.
»Es war ein bewegter Sommer, auch mit Personalentscheidungen«, so Klöckner. Der Kabinettsumbau war nötig geworden, weil der damalige Fraktionschef Jens Spahn (CDU) zurückgetreten war. Grund war eine Debatte um die Tatsache, dass Spahn und sein Ehemann durch eine Leihmutterschaft in den USA Eltern geworden waren. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, zudem lehnt die CDU sie offiziell ab; namentlich Spahn hatte sich mehrmals öffentlich dagegen ausgesprochen. Kritiker warfen Spahn deshalb Doppelmoral vor.
Mit dem Wechsel ins Gesundheitsministerium übernahm Linnemann die zentralen Reformvorhaben seiner Vorgängerin Warken. Warken ist inzwischen Kanzleramtschefin; sie folgt auf Thorsten Frei (CDU), der den Fraktionsvorsitz übernommen hat.
Bei seiner Amtsübernahme kurz vor der Sommerpause am 29. Juli hatte Linnemann erklärt, sein politischer Auftrag sei eine »verlässliche und finanzierbare Versorgung in Gesundheit und Pflege«. Er kündigte an, den eingeschlagenen Reformkurs fortzusetzen.
Bis zu seiner Berufung galt Linnemann vor allem als Wirtschafts- und Sozialpolitiker der Union. Der promovierte Volkswirt sitzt seit 2009 im Bundestag, war lange Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion und von 2023 bis 2026 CDU-Generalsekretär. Gesundheitspolitik gehörte bislang nicht zu seinen Kernarbeitsgebieten.
Mit Linnemanns Vereidigung steht dem Abschluss der Apothekenreform nichts mehr im Weg. Die Veröffentlichtung der Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und weiterer Verordnungen als letzter der drei Reformteile steht aktuell noch aus; mit der Vereidigung des neuen Ministers dürfte der Weg nun frei sein.