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Neue pDL zum Rauchstopp
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Darum setzt ein Suchtmediziner auf Apotheken

Apotheken können einen wichtigen niedrigschwelligen Beitrag zum Rauchstopp leisten. Auf der Messe Expopharm in München erläuterte ein Suchtmediziner, warum er sich schon auf die Einführung der neuen pharmazeutischen Dienstleistung »Raucherentwöhnung« in Apotheken freut.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 16.09.2026  16:20 Uhr

»Nicotinabhängigkeit ist eine schwere Suchterkrankung«, betonte Professor Dr. Tobias Rüther von der Universität München. Der Leiter der Abteilung Suchtmedizin und der Spezialambulanz Tabakabhängigkeit informierte, dass das Suchtpotenzial von Nicotin immens hoch sei und nur noch von Cocain und Heroin übertroffen werde.

Schätzungsweise rund 131.000 Menschen in Deutschland versterben pro Jahr an den Folgen des Rauchens, und die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten durch das Rauchen belaufen sich in Deutschland auf mehr als 97 Milliarden Euro pro Jahr.

»Als ich von der neuen pharmazeutischen Dienstleistung zur Raucherentwöhnung gehört habe, war ich sehr glücklich«, so der Suchtmediziner. Denn die Kombination aus einer Beratung zur Raucherentwöhnung und einem Medikament kann bei 15 bis 20 Prozent der Raucher zum Erfolg führen. Hausärzte wünschten sich zwar, dass ihre Patienten mit dem Rauchen aufhören, viele hätten aber für ein ausführliches Beratungsgespräch zu wenig Zeit.

Im ersten Schritt sollte Rüther zufolge in der Apotheke der Grad der Tabakabhängigkeit gemessen werden. Hierzu gibt es beispielsweise den sogenannten Fagerström-Test. Danach rät der Mediziner zu einem ausführlichen Beratungsgespräch, in dem auch über die medikamentösen Optionen gesprochen wird. Rüther: »Es gibt tolle Medikamente, die helfen.« Als Beispiele nannte er die verschiedenen Darreichungsformen von Nicotinpräparaten und Vareniclin-haltige Medikamente. Zudem stünden Cytisin und Bupropion als Optionen zur Verfügung. Rüther betonte die Bedeutung der Therapieadhärenz und bemängelte, dass viele Betroffene die Präparate nicht lang genug anwenden. Auch hier könne die Beratung in der Apotheke die Erfolgsquote steigern.

Viele Chancen zur Kundenansprache

Auch Apotheker Dr. Karl Sydow von Pharma Deutschland ist Fan der pDL zur Raucherentwöhnung. Statistisch betrachtet sei jeder dritte Kunde in der Apotheke Raucher. Zwischen 60 und 70 Prozent von ihnen gelten als dissonant, das heißt, sie wünschen sich aktiv Unterstützung beim Rauchstopp und suchen professionellen Rat.

Sydow resümierte, dass das enorm hohe absolute Zahlen seien, die Gelegenheiten zur Kundenansprache in der Apotheke vor Ort bieten – und eine wertvolle Differenzierungsmöglichkeit gegenüber anonymen Onlineapotheken. Wie Rüther freut er sich, wenn die neue pDL schon bald starten kann.

In der Diskussion wies Apothekerin Dr. Katja Renner darauf hin, dass man das Thema Raucherentwöhnung auch im Rahmen anderer pDL, etwa der Inhalativaschulung, heute schon ansprechen kann – und zukünftig bei bestimmten Patienten gleich zwei pDL in einem Rutsch anbieten kann.

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