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Covid-19
Kombitherapie wird der Schlüssel zum Erfolg sein

Fusions-Hemmer wenig überzeugend

»Unter den Fusions-Inhibitoren finden wir zwei alte Bekannte: Chloroquin (Resochin®) und Hydroxychloroquin (Quensyl®)«, so der Referent. Zwar kenne man seit Langem deren moderate antivirale Wirkung, doch zugelassen waren sie bislang nur bei Malaria, rheumatoider Arthritis und Lupus erythematodes. In den USA und einigen anderen Ländern haben sie mittlerweile eine Notfallzulassung bei Covid-19, doch der Pharmazieprofessor vermutet, dass hier ein nicht unerheblicher politischer Druck im Spiel war.

Er hält den breiten Einsatz auf der derzeitigen Datenlage nicht für gerechtfertigt. Es laufen zwar noch rund 80 klinische Studien, darunter auch einige große, aber angesichts der nicht unerheblichen Nebenwirkungen wie Arrhythmien und der bisher gemischten Datenlage sieht er hier keinen  Anlass zur Hoffnung – »das wird kein Game Changer«, so Schubert-Zsilavecz in Anspielung auf die Einschätzungen des US-Präsidenten

Die bisherigen Ergebnisse eines anderen Fusions-Inhibitors, des in Russland und China zur Influenza-Therapie zugelassenen Umifenovir (Arbidol®), überzeugten bislang ebenso wenig. »Auch diesen Kandidaten halte ich für wenig aussichtsreich«, so der Pharmazeutische Chemiker.

Die Protease-Hemmer-Kombination Lopinavir/Ritonavir (Kaletra®) wiederum sei zwar bei HIV sehr erfolgreich, doch die Studien mit Covid-19-Patienten verliefen »mehr als ernüchternd«, so Schubert-Zsilavecz. »Das bedeutet aber keinesfalls ein Scheitern der ganzen Wirkstoffklasse.« Nötig seien genau auf die SARS-CoV-2-Proteasen zugeschnittene Inhibitoren, die derzeit auf Basis der bereits bekannten Kristallstrukturen dieser Enzyme designt werden. Der Referent erinnerte daran, dass die HIV-Protease-Hemmer ja auch nicht bei HCV eingesetzt werden konnten, sondern eigene Wirkstoffe entwickelt wurden – und das sehr erfolgreich. Er sei zuversichtlich, dass dies auch bei SARS-CoV-2 gelinge. Doch bis zur Zulassung könnte es noch Jahre dauern.

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