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Covid-19
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Kombitherapie wird der Schlüssel zum Erfolg sein

»Infektionen mit HIV und Hepatitis-C-Viren bekommen wir nur in den Griff, wenn wir Arzneistoffe mit verschiedenen Angriffspunkten kombinieren. Beim Coronavirus wird dies auch so sein«, meint der Pharmazieprofessor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz. Beim pharmacon@home gab er einen Überblick der wichtigsten Targets und seine Einschätzung, welche Wirkstoffe wirkliche »Game Changer« werden könnten.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 13.06.2020  11:10 Uhr

Was bringen RNA-Polymerase-Inhibitoren?

»Das lohnendste Feld für die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen SARS-CoV-2 liegt im intrazellulären Bereich.« Dazu zählen neben den Protease-Hemmstoffen auch die RNA-Polymerase-Inhibitoren. Das in Japan zur Influenza-Therapie zugelassene Favipiravir (Avigan®) hemmt zwar die Influenza-RNA-Polymerase, überzeugt aber nicht bei Covid-19. »Dieser Arzneistoff ist nicht maßgeschneidert für die RNA-Polymerase von SARS-CoV-2.«

Viel Aufmerksamkeit zog Remdesivir (Veklury®) auf sich. Doch das Prodrug hat deutliche Schwächen: Die Synthese ist hoch komplex und es muss intravenös appliziert werden. In vivo wird Remdesivir gespalten, bevor es in die Wirtszelle aufgenommen wird, und dann intrazellulär stufenweise in ein Triphosphat umgewandelt, das die virale Polymerase hemmt.

Die Datenlage bezeichnete der Referent als »übersichtlich gut«. Nach ernüchternden Ergebnissen einer großen Studie veröffentlichten das National Institute of Health und die Firma Gilead Daten der Adaptive Covid-19 Treatment-Trial (ACTT) mit 1000 Patienten. Demnach habe Remdesivir den Zustand der Patienten schneller gebessert als Placebo (elf versus 15 Tage), aber keinen signifikanten Vorteil bei der Sterblichkeit gebracht. Auf Basis dieser Daten habe die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA eine Notfallzulassung erteilt, sodass Remdesivir nun auch außerhalb von Studien eingesetzt werden darf.

»Wir brauchen maßgeschneiderte Arzneistoffe«

Für Schubert-Zsilavecz ist das unbefriedigend. »Auch hier brauchen wir maßgeschneiderte Inhibitoren, und tatsächlich gab es echte Durchbrüche: Wir kreisen den Feind jetzt ein!« Inzwischen seien die Struktur der viralen RNA-Polymerase und die Strukturkomplexe vom Remdesivir und RNA am Target sehr genau charakterisiert. »Wir verstehen, wie die Interaktion funktioniert.« Auf dieser Basis könne man exakte Inhibitoren entwickeln. Erste klinische Daten könnten Ende 2020/Anfang 2021 vorliegen.

Fazit: Bekannte Arzneistoffe bringen bei Covid-19 keinen durchschlagenden Erfolg. Notwendig sei die Entwicklung von Wirkstoffen, die sich exakt gegen die Polymerase und die Proteasen von SARS-CoV-2 richten. Schubert-Zsilavecz: »Wir brauchen maßgeschneiderte Arzneistoffe. Wenn das gelingt, bin ich zuversichtlich, dass wir dieses Virus in nicht allzu ferner Zukunft bekämpfen können.«

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