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Perspektive für Deutschland?
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Pharmacist Prescribing im Überblick

Apotheker, die verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne ärztliche Verordnung abgeben – das soll auch in Deutschland bald in einem gewissen Rahmen möglich sein. Welche Modelle zu unterscheiden sind und wie andere Länder mit »Pharmacist Prescribing« umgehen, berichtete Professor Dr. Oliver Scherf-Clavel beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 05.06.2026  16:20 Uhr

Der Begriff »Pharmacist Prescribing« stehe allgemein für die Befugnis von Apothekerinnen und Apothekern, verschreibungspflichtige Arzneimittel (Rx) eigenständig oder kollaborativ abzugeben, anzusetzen, anzupassen oder zu verlängern, erklärte Scherf-Clavel, Professor für klinische Pharmazie und Pharmakotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Das bedeute keinesfalls die unbegrenzte oder freie Verschreibung – es gebe immer Rahmenbedingungen. »Es geht nicht um den Ersatz der ärztlichen Versorgung«, betonte er – sondern um die Entlastung der Primärversorgung, die lückenlose Fortführung von Dauertherapien und Therapieanpassungen im ärztlichen Einklang.

International werde dies in verschiedenen Indikationen umgesetzt. Im Fokus stehen zum einen Prävention und Prophylaxe, zum Beispiel bei Raucherentwöhnung, Kontrazeption und Impfungen, sowie das chronische Management von Diabetes, Hypertonie und Asthma/COPD. Zum anderen werden akute unkomplizierte Erkrankungen, etwa Infektionen der Harnwege oder der Haut, in anderen Ländern durch die Apotheke versorgt.

Es gibt verschiedene Modelle: In abhängigen Verordnungsmodellen agiert der Apotheker in Absprache mit dem Arzt, zum Beispiel im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung. Im Gegensatz dazu erlauben die unabhängigen Modelle dem Apotheker die Verschreibung unabhängig vom Arzt im eigenen Kompetenzbereich. Das gehe mit der vollen rechtlichen und klinischen Verantwortung einher, betonte Scherf-Clavel. Beispiele für letzteres Prinzip sind »Independent Prescribing«, bei dem der Apotheker eigenständig nach medizinischen Leitlinien agiert, und »Government Protocol« (Regierungsprotokolle), bei dem der Staat die Indikationen und abzugebenden Wirkstoffe festlegt.

In vielen Ländern ist Pharmacist Prescribing bereits etabliert, etwa in Nordamerika, Australien und Neuseeland. In Europa ist Großbritannien Vorreiter, aber auch in Frankreich, Dänemark, Irland sowie in der Schweiz und Polen gibt es Entwicklungen. »Wir müssen all das mit der nötigen Distanz betrachten,« schränkte Scherf-Clavel ein, »die Gesundheitssysteme, in denen Pharmacist Prescribing bereits etabliert ist, sind teils sehr unterschiedlich von unserem System.«

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