Der Vorstand der Bundesapothekerkammer (BAK) und Moderator Alexander Müller bei der berufspolitischen Diskussion in Meran. / © PZ/Alois Müller
Die berufspolitische Diskussion in Meran fand an einem denkwürdigen Tag statt: Am selben Vormittag hatte das Bundeskabinett die lange umkämpfte Erhöhung des Fixums beschlossen. Am 22. Mai hatte das ApoVWG den Bundestag passiert. Fünf neue pDL – eine Verdopplung des Dienstleistungs-Portfolios – sind damit in greifbare Nähe gerückt. Der gesamte Vorstand der Bundesapothekerkammer (BAK) stand den Kongressteilnehmerinnen und Kongressteilnehmern dazu Rede und Antwort.
Zunächst gaben Dr. Nina Griese-Mammen, Bereichsleiterin bei der ABDA, und BAK-Vorstandsmitglied Stephanie Tiede einen Überblick über die neuen pDL. Neuerungen gibt es in den Bereichen Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und Therapietreue, Prävention und Früherkennung, Raucherentwöhnung, Point-of-Care-Tests sowie bei Impfungen. »Das ist der Wahnsinn«, zeigte sich Griese-Mammen angesichts der vielfältigen neuen Dienstleistungen begeistert. Auch international müsse man einen Vergleich nicht scheuen.
So sehen etwa die Regelungen zum Impfen vor, dass künftig nicht mehr bloß Impfstoffe gegen Covid-19- und Grippe in Apotheken verabreicht werden dürfen, sondern alle Impfstoffe, die keine Lebendimpfstoffe sind. Darunter fallen die meisten Standardimpfungen wie gegen Tetanus, Diphtherie und Pneumokokken. Neu ist zudem, dass Apotheker das Impfen an entsprechend geschulte PTA und Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) delegieren dürfen. Die Vorschrift, dass Impfungen in einem Raum erfolgen müssen, der Teil der Raumeinheit Apotheke ist, fällt weg.
»Das wird dem Impfen in der Apotheke einen großen Aufschwung geben. Wenn man es als Ganzjahresgeschäft anbieten kann, wird das ein Gamechanger sein und es werden deutlich mehr Apotheken als bislang Impfungen anbieten«, ist Tiede überzeugt.
Auch BAK-Präsident Dr. Armin Hoffmann zeigte sich optimistisch: Aus den Apotheken höre er, dass viele Kunden das niederschwellige Angebot begrüßen. Seien die Prozesse einmal in der Apotheke implementiert, sei es einfach, das Angebot auszuweiten. »Wir haben dafür gekämpft, jetzt müssen wir ran«, betonte der BAK-Präsident mit Blick auf Befürchtungen, die neuen pDL könnten nur zögerlich angenommen werden. Er gehe von einer hohen Nachfrage aus.
BAK-Vizepräsidentin Franziska Scharpf ermutigte die Apotheken, eigene Prozesse zu entwickeln, um das Impfangebot möglichst effizient abzuwickeln. In ihrer Apotheke sei der erforderliche »Papierkram« rund um das Impfen mittlerweile komplett digitalisiert. »Ich muss als Leiterin schauen, dass alles effizient ist«, so Scharpf.
Dr. Hannes Müller stellte die Möglichkeit zur Delegation des Impfens an PTA und PhiP heraus. »Jetzt sind wir erstmals auf Augenhöhe mit den Ärztinnen und Ärzten, die das Impfen ja ebenfalls an ihre Praxismitarbeitenden delegieren können.« Das helfe zum einen, den Prozess wirtschaftlich zu gestalten und sei außerdem eine Aufwertung des PTA-Berufs.