| Juliane Brüggen |
| 04.06.2026 15:00 Uhr |
Neue Arzneistoffe bringen mitunter vermehrten Beratungsdarf mit sich. / © Getty Images/Catherine Delahaye
Das Jahr 2025 war, was neue Arzneimittel betrifft, ein guter Jahrgang, stellte Siebenand fest. Von den 38 neuen Arzneistoffen seien 18 als Sprung- und 12 als Schrittinnovationen einzustufen. »Aber nicht nur die Quantität ist gut, auch die Qualität«.
Zu den Sprunginnovationen gehören Lecanemab (Leqembi®, Eisai) und Donanemab (Kisunla®, Lilly). Ihr Einsatz ist nur in der frühen Phase der Alzheimer-Krankheit sinnvoll, erläuterte Siebenand. Die Antikörper sind gegen Amyloid-β-Ablagerungen im Gehirn gerichtet, wobei die Targets unterschiedlich sind: Lecanemab ist gegen Protofibrillen gerichtet, Donanemab gegen Amyloid-Plaques. Die Donanemab-Gabe ist zeitlich begrenzt: »Man geht davon aus, dass die Plaques nach 18 Monaten abgebaut sind«, berichtete Siebenand. Die Lecanemab-Gabe wird abgebrochen, wenn das mittelschwere Erkrankungsstadium erreicht ist.
Eine Heilung sei nicht möglich – in den Zulassungsstudien (Clarity-AD, TRAILBLAZER-ALZ-2) wurde aber bei 18-monatiger Therapie eine verzögerte Progression von etwa sechs Monaten beobachtet. »Es sind vielleicht keine Wow-Effekte, aber es sind die ersten beiden krankheitsmodifizierenden Therapeutika«, so Siebenand. Er wies auch auf mögliche Gender-Effekte hin: Für Lecanemab gebe es Anzeichen dafür, dass Frauen schlechter ansprechen als Männer.
Beide Arzneistoffe werden von umfangreichen MRT-Kontrollen begleitet, da das Risiko von Komplikationen aufgrund von Ödemen oder Blutungen im Gehirn besteht (Amyloid-assoziierte Bildgebungsanomalien, ARIA). Komplett von der Therapie ausgeschlossen sind aufgrund eines erhöhten ARIA-Risikos homozygote Träger des ApoE ε4-Gens.
Als wichtigen Punkt für die Beratung nannte Siebenand das Thema der gleichzeitigen Antikoagulation, die eine Kontraindikation darstellt. Aber: »Die Gabe von ASS und anderen Thrombozytenaggregationshemmern ist laut Fachinformationen kein Problem.«