Alexander Müller, Thomas Zöller, Anne Klemm, Thomas Preis, Oliver Funken und Hans Theiss (v. l. n. r.) diskutierten über das geplante Primärversorgungssystem. / © PZ/Alois Müller
Die Bundesregierung arbeitet aktuell an einem Primärversorgungssystem. Doch noch ist unklar, wie ein solches System konkret aussehen soll und welche Rolle die Apotheken darin spielen. Daher wurde beim DAT-Themenforum unter dem Motto »Gemeinsam besser versorgen: Die Primärversorgung der Zukunft« ausführlich über das neue Gesundheitssystem diskutiert.
In einem Impulsvortrag benannte Christiane Eickhoff, Referentin im Geschäftsbereich Arzneimittel der ABDA, die aktuellen Probleme: Noch sei die ambulante Versorgung flächendeckend vorhanden, aber angesichts einer älter werdenden Bevölkerung und des zunehmenden Fachkräftemangels könne es so nicht weitergehen. In puncto Gesundheitskompetenz liege Deutschland im europäischen Vergleich auf dem zweitletzten Platz.
Christiane Eickhoff hielt einen einleitenden Vortrag. / © PZ/Alois Müller
Hinzu komme, dass die Leistungserbringer noch zu sehr nebeneinander statt miteinander versorgen. »Schnittstellen und Informationsfluss sind nicht immer nahtlos. Patienten müssen sich ihre Versorgung selbst organisieren und koordinieren, aber nicht alle können das oder haben Angehörige, die sich kümmern.«
Im neuen Primärversorgungssystem könnten sich die Apotheken an verschiedenen Stellen einbringen. Als Beispiel nannte Eickhoff das digital gestützte Ersteinschätzungsverfahren. Hier sollten die Apotheken als Anlaufstelle mitgedacht werden. »Wir haben uns als Apotheken intensiv damit beschäftigt«, so Eickhoff im Hinblick auf das ABDA-Positionspapier zur Primärversorgung. »Wir müssen jetzt dringend handeln. Es geht nur gemeinsam.«
Für die darauffolgende Podiumsdiskussion waren Hans Theiss (Bundestagsabgeordneter der CSU und Berichterstatter Primärversorgung), Thomas Zöller (Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung), Oliver Funken (Ärztekammer Nordrhein), Anne Klemm (BKK Dachverband) und Thomas Preis (ABDA-Präsident) eingeladen. Die Moderation übernahm PZ-Chefredakteur Alexander Müller.
Hans Theiss lobte die Reformen der Bundesregierung. »Das Primärversorgungssystem ist das dickste Brett, das wir in dieser Legislaturperiode bohren wollen. Aber ich denke, das ist es wert. Wir wollen den Akteuren helfen, dass sie effektiver arbeiten können. Gleichzeitig wollen wir den Patienten eine schnelle und zielgerichtete Therapie ermöglichen«, sagte der Bundestagsabgeordnete.
Die Krankenkassen beklagen immer wieder, dass viele Patienten unkoordiniert durch das Gesundheitssystem irren. »Ich stelle mir ein Primärversorgungssystem so vor, dass es für die Patienten eine durchgehende Versorgungskette gibt«, erklärte Anne Klemm. Die Patienten müssten betreut und koordiniert werden. Dafür wünschte sie sich digital gestützte Ersteinschätzungsverfahren. »Und die können überall stattfinden. Das muss nicht in der Arztpraxis sein. Das kann in der Apotheke oder in anderen Einrichtungen passieren.«