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ARZNEISTOFFE

Mirabegron|Betmiga|81|2014

STOFFGRUPPE
81 Urologika und Mittel zur Behandlung der Hyperkaliämie und Hyperphosphatämie
WIRKSTOFF
Mirabegron
FERTIGARZNEIMITTEL
Betmiga
HERSTELLER

Astellas

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2014
DARREICHUNGSFORM

25 mg Retardtabletten
50 mg Retardtabletten

Indikationen

Betmiga ist zugelassen zur symptomatischen Therapie von plötzlichem (imperativem) Harndrang, erhöhter Miktionsfrequenz und/oder Dranginkontinenz bei Erwachsenen mit überaktiver Blase (overactive bladder, OAB).

Wirkmechanismus

Mirabegron ist ein starker und selektiver β3-Adrenozeptoragonist. Er bindet an die β3-Rezeptoren in den Muskelzellen der Harnblase und aktiviert diese. Experimentelle Studien haben gezeigt, dass sich in der Folge die glatte Harnblasenmuskulatur entspannt und die Konzentration an cyclischem Adenosinmonophosphat im Harnblasengewebe steigt. Zudem verbessert die Stimulation von β3-Adrenozeptoren die Harnspeicherfunktion.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Betmiga beträgt 50 mg einmal täglich mit oder ohne Nahrung.
Die Tablette wird einmal täglich mit Flüssigkeit im Ganzen eingenommen; sie darf nicht zerkaut, geteilt oder zerstoßen werden.


Eine Halbierung der Tagesdosis wird empfohlen für Patienten mit stark eingeschränkter Nieren- oder mäßig eingeschränkter Leberfunktion. Dafür stehen Tabletten mit 25 mg Mirabegron zur Verfügung.

Wichtige Wechselwirkungen

Mirabegron wird auf zahlreichen Wegen transportiert und metabolisiert. Es ist ein Substrat und schwacher Inhibitor von CYP3A4 und CYP2D6 und hemmt in hohen Konzentrationen den über P-Glykoprotein vermittelten Wirkstofftransport. Vorsicht ist geboten, wenn Mirabegron gemeinsam mit Arzneistoffen mit enger therapeutischer Breite verabreicht wird, die in relevantem Ausmaß über CYP2D6 metabolisiert werden. Beispiele hierfür sind Thioridazin, Typ-1C-Antiarrhythmika wie Flecainid und Propafenon, trizyklische Antidepressiva wie Imipramin und Desipramin.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Mirabegron waren Tachykardie (Inzidenz 1,2 Prozent) und Harnwegsinfektionen (2,9 Prozent).


Zu den schweren, aber seltenen Nebenwirkungen zählt Vorhofflimmern (0,2 Prozent). Es wurde kein Einfluss auf das QT-Intervall des Herzens gefunden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Nehmen Patienten mit stark eingeschränkter Nieren- oder mäßig eingeschränkter Leberfunktion starke CYP3A-Inhibitoren wie Itraconazol, Ketoconazol, Ritonavir oder Clarithromycin ein, sollten sie Mirabegron nicht erhalten. Wenn Patienten mit leicht bis mäßig eingeschränkter Nierenfunktion oder leichter Leberinsuffizienz starke CYP3A-Inhibitoren einnehmen, sollten sie nur 25 mg Mirabegron erhalten.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Wirksamkeit von Mirabegron wurde in drei zwölfwöchigen, randomisierten placebokontrollierten doppelblinden Phase-III-Studien untersucht. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 59 Jahre alt und litten an OAB mit imperativem Harndrang und hoher Miktionsfrequenz mit oder ohne Inkontinenz. Knapp drei Viertel waren Frauen. Fast die Hälfte war nicht mit Antimuskarinika vorbehandelt. In einer Studie erhielten die Patienten Tolterodin 4 mg retard als aktive Kontrolle. Hauptindikator für die Wirksamkeit war die Änderung der mittleren Zahl von Inkontinenzvorfällen und von Miktionen pro Tag nach drei Monaten. Mirabegron 50 mg verbesserte diese Zielparameter statistisch signifikant stärker als Placebo, und die Patienten gaben eine deutlich bessere gesundheitsbezogene Lebensqualität an.


Gemäß gepoolter Daten sank die Zahl der Blasenentleerungen um durchschnittlich 1,8 pro Tag (unter Placebo um 1,2), die Zahl der Inkontinenzvorfälle um 1,5 (versus 1,1). In der Studie mit Tolterodin reduzierte dieses die Zahl der Miktionen um 1,6 (Mirabegron um 1,9) und die Inkontinenzepisoden um 1,3 pro Tag (Mirabegron um 1,6).


Die Wirksamkeit war unabhängig davon, ob die Patienten früher bereits Antimuskarinika zur Therapie der OAB bekommen hatten oder nicht. Mirabegron konnte auch Patienten helfen, bei denen diese Medikamente nicht ausreichend wirksam gewesen waren. Eine randomisierte, aktiv kontrollierte Langzeitstudie zeigte, dass Mirabegron 50 mg auch nach einem Jahr Anwendungsdauer noch wirksam war.

Besonderheiten

Nach dem ersten Öffnen der Flasche ist Betmiga noch sechs Monate lang haltbar.

Betmiga ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Mirabegron

Mirabegron

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Mirabegron.wrl

Weitere Hinweise

Die Anwendung von Betmiga in Schwangerschaft und Stillzeit sowie von Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht zuverlässig verhüten, wird nicht empfohlen.


Zur Anwendung in der Schwangerschaft liegen nur begrenzte Datenmengen vor. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt.


Studien zum Einfluss von Mirabegron auf die Milchbildung, zum Auftreten in der Muttermilch und zur Auswirkung auf gestillte Säuglinge wurden nicht durchgeführt. Bei Nagern wird Mirabegron jedoch in die Muttermilch abgegeben. Es ist zu erwarten, dass dies auch beim Menschen erfolgt.

Packshot

Letzte Aktualisierung: 08.08.2016