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Schilddrüse
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Taktgeber für den Stoffwechsel

Das Multitalent Schilddrüse beeinflusst mit seinen Hormonen fast den ganzen Organismus. Entsprechend wichtig ist, dass es sich im Gleichgewicht befindet. Sowohl eine Über- als auch Unterfunktion schränken die Lebensqualität ein. Viele Patienten müssen lebenslang Medikamente einnehmen.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 03.09.2020  11:00 Uhr

Antikörper gegen die Schilddrüse

Die häufigste Ursache für eine Hypothyreose ist die Hashimoto-Thyreoiditis. Die Autoimmunerkrankung äußert sich durch eine chronische Entzündung der Schilddrüse, durch die Gewebe zerstört wird. Etwa 5 Prozent der Menschen weisen entsprechende Schilddrüsen-Autoantikörper (Thyreoperoxidase-spezifische Antikörper, TPOAk) auf. Dies allein bedingt allerdings noch keinen krankhaften Zustand.

Die Mehrzahl der Patienten ist weiblich und im mittleren Lebensalter, die Prävalenz steigt mit zunehmendem Lebensalter. Eine genetische Prädisposition liegt vor.

Bei der Hashimoto-Krankheit ist die hypotrophe, chronisch verlaufende Form häufig. Hierbei nimmt die Organgröße im Lauf der Jahre ab und die Hormonproduktion sinkt. Eine verwandte Form ist die postpartale Thyreoiditis, die bei 5 bis 10 Prozent der Frauen innerhalb eines Jahres nach einer Schwangerschaft auftritt. Diese Störung besteht oft nur vorübergehend und normalisiert sich bei vielen Patientinnen wieder.

Die Erkrankung kann mit einer Schilddrüsen-Überfunktion begingen. Im weiteren Verlauf entsteht eine latente (TSH erhöht, fT3 und fT4 normal) und dann eine klinisch manifeste Hypothyreose (TSH erhöht, fT4 und/oder fT3 erniedrigt). Eine ursächliche Therapie gibt es bisher nicht. Die Betroffenen müssen vorübergehend Schilddrüsenhormone substituieren (12, 14).

Levothyroxin als Monotherapie

Bei einer behandlungsbedürftigen Hypothyreose verschreiben Ärzte zur Substitution Levothyroxin (L-Thyroxin). Dieses gehört zu den drei verordnungsstärksten Arzneistoffen in Deutschland (lesen Sie dazu auch den Beitrag Steckbrief Levothyroxin-Natrium) (19). Laut der DEGAM-Leitlinie sind T3 alleine, T3/T4-Kombinationen und natürliche Schilddrüsenpräparate für die Therapie nicht geeignet (12).

Warum? T3 wirkt rasch, die Wirkung lässt aber schnell wieder nach. Bei einigen wenigen Schilddrüsenerkrankungen ist diese schnelle Wirkung erwünscht. Die Anwendung ist indiziert zur Überbrückung hypothyreoter Phasen im Rahmen der diagnostischen Anwendung oder der Vorbereitung der therapeutischen Anwendung von Radioiod beim Schilddrüsenkarzinom, für den Schilddrüsen-Suppressionstest und zum Ausgleich einer Unterfunktion, wenn eine Behandlung mit Levothyroxin-Natrium alleine nicht zielführend ist und eine T4/T3-Konversionsschwäche oder Aufnahmestörung nachgewiesen oder vermutet wird (15). Liothyronin wird üblicherweise mit Levothyroxin kombiniert. Alleine ist es für die Dauertherapie nicht geeignet (15).

Bei den Kombipräparaten liegen die Hormone meistens im Verhältnis 5:1 und 10:1 (T4:T3) vor. Allerdings produziert eine gesunde Schilddrüse die Hormone im Verhältnis 15:1; dies bedeutet, dass der Anteil an T3 im Medikament höher ist als im natürlichen Stoffwechselprozess. Bei ihrer prinzipiellen Ablehnung der Kombinationstherapie stützen sich Fachgesellschaften auf Studien, in denen keine Überlegenheit gegenüber einer T4-Monotherapie gezeigt werden konnte (16, 17).

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