Eine Schilddrüsenunterfunktion wirkt sich auf verschiedenste Vorgänge im Körper aus. Medikamentös ist sie aber gut einstellbar. / © Getty Images/Sebastian Kaulitzki/Science Photo Library
Kleines Organ, große Aufgaben: Die Schilddrüse gilt als »Taktgeber unseres Stoffwechsels«, wie Professor Dr. Volker Fendrich, Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, sagt. Denn diese Drüse produziert Hormone, die verschiedenste Vorgänge im Körper beeinflussen - Herzschlag, Verdauung, Wärmeproduktion, Muskelkraft, Haarwachstum, Energiehaushalt.
Gerät dieser Taktgeber selbst aus dem Takt, produziert also zu viele oder zu wenige Hormone, kann sich das mit der Zeit bemerkbar machen. Häufiger als eine Überfunktion kommt dabei eine Unterfunktion vor, Hypothyreose lautet die Diagnose. Etwa 5 von 100 Menschen sind laut dem Portal »gesund.bund.de« von der Erkrankung betroffen, Frauen häufiger als Männer. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
In der Alltagssprache wird die Schilddrüse aufgrund ihrer Form oft auch »Schmetterlingsorgan« genannt. »Sie besteht aus zwei Lappen, die durch eine Brücke miteinander verbunden sind«, sagt der Nuklearmediziner Dr. Wolfgang Braun.
»Die Schilddrüse sitzt zwischen Kehlkopf und der Halsgrube«, sagt Fendrich, Chefarzt der Endokrinen Chirurgie der Schön Klinik Hamburg Eilbek. Grob gesprochen gilt: Ist die Schilddrüse gesund, hat jede Seite etwa die Größe einer kleinen Aprikose. Bei Männern ist die Schilddrüse dabei etwas größer als bei Frauen.
Die Schilddrüse produziert Hormone. Die wichtigsten sind Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), denn sie regulieren verschiedenste Prozesse im Körper. Allerdings nur, wenn die Schilddrüse die richtige Menge davon herstellt: »Produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, dann verlangsamen sich alle Stoffwechselprozesse«, sagt Braun, Autor des Buches »Schilddrüse im Gleichgewicht«.
»Häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion ist eine Entzündung, die nach dem japanischen Chirurgen Hakaru Hashimoto benannt wurde«, sagt Wolfgang Braun. Der aus einer Arztfamilie stammende Japaner hat die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis 1912 erstmals beschrieben. Dabei handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse fälschlicherweise angreift und zerstört.
Eine weitere Ursache für eine Unterfunktion sind Operationen, bei denen die Schilddrüse (teilweise) entfernt wurde - etwa aufgrund von Knoten oder Tumoren. Medikamente, die gegen eine Schilddrüsenüberfunktion wirken, können ebenfalls zu einer Unterfunktion führen, wenn sie zu hoch dosiert eingenommen werden, so Braun. Auch ein chronischer Jodmangel kann Ursache sein. Das Spurenelement ist ein Baustein von Schilddrüsenhormonen.
Übrigens: Babys können mit einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion auf die Welt kommen. »Dann kommt es nicht zu einer normalen Entwicklung, sondern zu schwerwiegenden geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen«, sagt Wolfgang Braun. Diese Fälle sind aber selten. Und sie werden durch das Neugeborenenscreening - eine Blutuntersuchung am zweiten bis dritten Lebenstag - in aller Regel rasch erkannt und behandelt.