| Annette Rößler |
| 19.05.2026 12:30 Uhr |
Ein Blutdruck, der trotz medikamentöser Therapie mit mindestens drei Wirkstoffen in der höchsten verträglichen Dosis über 140/90 mmHg liegt, gilt als therapieresistent. / © Getty Images/asadykov
Von einer therapieresistenten oder auch therapierefraktären Hypertonie spricht man, wenn bei einem Patienten der Blutdruck über 140/90 mmHg liegt, obwohl er mindestens drei blutdrucksenkende Medikamente aus verschiedenen Wirkstoffklassen, darunter ein Diuretikum, in maximal tolerabler Dosis einnimmt. Laut der europäischen kardiologischen Fachgesellschaft ESC sind 10 bis 20 Prozent der Patienten mit Bluthochdruck therapierefraktär – beziehungsweise sogar 30 Prozent, wenn man diejenigen mit einer pseudoresistenten Hypertonie hinzurechnet. Bei Letzteren gibt es externe Gründe wie etwa eine schlechte Compliance für die mangelnde Kontrolle des Blutdrucks.
Leitlinienkonform soll bei therapieresistenter Hypertonie nach den Ursachen gefahndet, die medikamentöse Therapie optimiert und Lebensstilfaktoren bestmöglich kontrolliert werden. Am Horizont gibt es zudem einige Arzneistoffe mit neuartigen Wirkmechanismen, von denen Dr. Dennis Dannenkeril vom Klinikum Erlangen beim Internistenkongress drei vorstellte.
Er ging zunächst auf die selektiven Aldosteronsynthase-Inhibitoren (ASI) ein. Baxdrostat, Dexfadrostat und Lorundrostat heißen entsprechende Kandidaten. »Neben seiner Funktion als Regulator der renalen Na+/K+-Ausscheidung wirkt Aldosteron auch proinflammatorisch, profibrotisch, vasokonstriktorisch und erhöht die arterielle Gefäßsteifigkeit«, erklärte der Internist. Die Bildung von Aldosteron zu unterbinden, sei daher mit Blick auf die kardiovaskuläre Gesundheit gleich aus mehreren Gründen sinnvoll.
ASI hemmen selektiv das Enzym Aldosteronsynthase (CYP11B2), das eine sehr hohe Ähnlichkeit zur Cortisolsynthase (CYP11B1) aufweist. Man habe daher zunächst befürchtet, dass die Wirkstoffe auch die Bildung von Cortisol hemmen. »Das konnte erfreulicherweise aber in keiner Studie bestätigt werden«, berichtete Dannenkeril.
Der am weitesten fortgeschrittene ASI ist Baxdrostat. Am 18. Mai konnte Hersteller Astra-Zeneca die US-Zulassung für das Baxdrostat-haltige Präparat Baxfendy™ vermelden. Dicht auf den Fersen ist ihm Lorundrostat von Mineralys, für das die US-Arzneimittelbehörde FDA bereits den Zulassungsantrag prüft. Den dritten Rang im Rennen um die Zulassung hat derzeit Dexfadrostat von Damian Pharma inne, zu dem 2024 Phase-II-Daten im Fachjournal »eClinicalMedicine« publiziert wurden (DOI: 10.1016/j.eclinm.2024.102576). Von den drei ASI wird derzeit nur Baxdrostat bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) geprüft.