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Neue Ansätze bei resistenter Hypertonie

Arterielle Hypertonie als wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Ereignisse ist noch zu häufig unzureichend kontrolliert. Es gibt aber interessante neue Therapieansätze, die beim Internistenkongress vorgestellt wurden.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 19.05.2026  12:30 Uhr

Zilebesiran: Eine Injektion alle sechs Monate

Ebenfalls in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) greift Zilebesiran ein. Bei der Endung -siran wissen Pharmazeuten: Das ist ein Wirkstoff, der mit RNA-Interferenz (RNAi) arbeitet. Die small interfering RNA (siRNA) unterdrückt im Fall von Zilebesiran die Bildung des Proteins Angiotensinogen, das maßgeblich an der Blutdruckregulation beteiligt ist. Das RNAi-Therapeutikum muss alle sechs Monate subkutan verabreicht werden.

Das klinische Studienprogramm mit Zilebesiran heißt KARDIA. Während in den KARDIA-1- und KARDIA-2-Studien die jeweiligen Wirksamkeitsendpunkte erreicht werden konnten, gelang dies in der KARDIA-3-Studie laut dem Referenten nicht. In dieser Studie wurde Zilebesiran als Add-on zu Diuretika, Amlodipin oder Olmesartan getestet und jeweils mit Placebo verglichen.

Wie Dannenkeril ausführte, wurde der primäre Endpunkt in der KARDIA-3-Studie nicht wegen einer ausbleibenden Wirkung von Zilebesiran verfehlt, sondern weil auch in der Placebogruppe eine Blutdrucksenkung eintrat. Dieses Phänomen sei in Studien mit Antihypertensiva häufig zu beobachten und beruhe darauf, dass sich die Compliance der Patienten allein durch die Teilnahme an der Studie verbessere – auch in der Placebogruppe.

Vor diesem Hintergrund hob der Mediziner hervor, dass die Adhärenz bei Zilebesiran wegen der halbjährlichen subkutanen Anwendung weniger entscheidend sei als bei täglich zu schluckenden Arzneistoffen. Das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil der Substanz sei gut. Zilebesiran führe zu einer klinisch relevanten Blutdrucksenkung und lasse sich auch mit anderen Wirkstoffklassen kombinieren, besonders vorteilhaft mit Diuretika.

Aprocitentan: Zugelassen, aber noch nicht auf dem Markt

Zuletzt ging Dannenkeril auf den dualen Endothelin-Antagonisten Aprocitentan (Jeraygo™ von Idorsia Pharmaceuticals) ein, der in der EU bereits zugelassen, aber noch nicht auf dem Markt ist. »Endothelin-1 wirkt vasokonstriktorisch und führt dadurch zum Blutdruckanstieg. Es wirkt zudem profibrotisch und stimuliert auch die Aldosteron-Sekretion«, erklärte er die Funktion des Targets Endothelin-(ET-)1. Insgesamt erhöhe ET1 sowohl die Nachlast als auch die Vorlast.

Aprocitentan hemmt als dualer ET-Rezeptorantagonist die Bindung von ET-1 an seine Rezeptoren ETA und ETB. Es ist zugelassen zur Behandlung von Patienten mit resistenter Hypertonie in Kombination mit mindestens drei Antihypertensiva. Laut dem Referenten ist bei Patienten mit chronischer Nieren- oder Herzinsuffizienz Vorsicht geboten.

Mit den vorgestellten Wirkstoffen ließen sich in Studien teilweise beeindruckend gute Ergebnisse erzielen. In der Diskussion wurde Dannenkeril daher gefragt, wie er den künftigen Stellenwert der renalen Denervation einschätze. Dieses Verfahren, bei dem sympathische Nervenfasern operativ durchtrennt werden, gilt zurzeit als Ultima Ratio bei therapieresistentem Bluthochdruck.

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