| Annette Rößler |
| 20.05.2026 16:20 Uhr |
Es kann sein, dass Frauen mit Brustkrebs und Adipositas beziehungsweise Typ-2-Diabetes von der Anwendung eines GLP-1-Rezeptoragonisten profitieren. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie sind allerdings zu unsicher, um diese Aussage verlässlich zu treffen. / © Getty Images/SDI Productions
Im Fachjournal »JAMA Network« veröffentlichte ein Team um Kristina L. Tatum von der Virginia Commonwealth University in Richmond, USA, kürzlich die Ergebnisse einer retrospektiven Kohortenstudie. Ausgewertet wurden die Daten von Frauen, die in der Datenbank TriNetX erfasst waren und bei denen zwischen 2006 und 2023 die Diagnose Brustkrebs gestellt worden war. Es wurden drei Kohorten gebildet, die per Propensity-Score-Matching jeweils im Verhältnis 1:1 zusammengesetzt waren aus:
Der primäre Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben (OS) und der sekundäre Endpunkt das rezidivfreie Überleben (RFS), beide wurden sowohl fünf als auch zehn Jahre nach der Diagnose erfasst.
In Kohorte 1, die aus adipösen Patientinnen bestand, zeigte sich dabei ein erheblicher Vorteil in der GLP-1-RA-Gruppe: Anwenderinnen hatten ein deutlich geringeres Sterberisiko als Frauen, die diese Präparate nicht anwendeten (Hazard Ratio OS nach zehn Jahren: 0,35). In absoluten Zahlen bedeutete das, dass nach fünf Jahren in der GLP-1-RA-Gruppe noch 97,4 Prozent der Frauen am Leben waren und nach zehn Jahren noch 96,0 Prozent, während von denjenigen, die kein solches Medikament anwendeten, nach fünf Jahren noch 93,2 Prozent und nach zehn Jahren noch 88,6 Prozent lebten. Auch die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs war in der GLP-1-RA-Gruppe deutlich geringer (Hazard Ratio RFS nach zehn Jahren: 0,44).
Bei den Patientinnen mit Typ-2-Diabetes ergab sich im Vergleich mit Insulin oder Metformin ein riesiger Vorteil für die GLP-1-RA: Nach zehn Jahren betrug die Hazard Ratio für das OS 0,09 (relative Risikoreduktion um 91 Prozent) und für das RFS 0,33 (relative Risikoreduktion um 67 Prozent). Zwischen den SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-RA waren dagegen keine signifikanten Unterschiede nachweisbar.
Ihre Ergebnisse »legen einen potenziellen Zusammenhang nahe zwischen der Anwendung von GLP-1-RA und besseren Outcomes bei Patientinnen mit Brustkrebs und Adipositas sowie damit zusammenhängenden metabolischen Leiden«, schreiben die Autoren. GLP-1-RA sollten daher bei Brustkrebs-Patientinnen in randomisierten klinischen Studien getestet werden.