| Theo Dingermann |
| 19.05.2026 14:00 Uhr |
Der Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) wird im Blut bestimmt. Eine Krebserkrankung der Prostata, aber auch eine gutartige Vergrößerung des Organs, mechanische Reize oder andere Ursachen können den PSA-Wert erhöhen. / © Adobe Stock/Sherry Young
Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) ist ein Glykoprotein, das in der Prostata gebildet wird und in geringer Konzentration im Blut nachweisbar ist. Bei einem Prostatakarzinom kann der PSA-Wert erhöht sein. Der Stellenwert des PSA-Werts zur Früherkennung von Prostatakrebs ist aber umstritten, weil ein hoher PSA-Wert nicht spezifisch für diese Krebserkrankung ist.
In Deutschland umfasst die gesetzliche Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs eine jährliche Tastuntersuchung ab dem Alter von 45 Jahren. Allerdings wird diese in der 2025 neu gefassten S3-Leitlinie nicht mehr empfohlen. Die Leitlinie rät stattdessen zu einem risikoadaptierten Vorgehen auf Basis des PSA-Werts. Derzeit prüft das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), ob dieser Ansatz zur gesetzlichen Früherkennung übernommen wird.
Sehr hohe Relevanz haben vor diesem Hintergrund die Ergebnisse einer neuen Cochrane-Metaanalyse, die ein Team um Dr. Juan VA Francoa von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Professor Dr. Eu Chang Hwang von der Chonnam National University Medical School in Hwasun, Südkorea, veröffentlichte. Basierend auf sechs randomisierten kontrollierten Studien (RCT) mit insgesamt knapp 800.000 Teilnehmern sehen die Forschenden eine »moderate Evidenz« dafür, dass das PSA-Screening die krankheitsspezifische Mortalität beim Prostatakarzinom signifikant senken kann.
Eingeschlossen in die Analyse waren unter anderem drei methodisch gewichtige Studien CAP (Vereinigtes Königreich), PLCO (USA) und ERSPC (Europa), die zusammen rund 85 Prozent der Studienteilnehmer repräsentieren. Zudem wurden erste Ergebnisse der finnischen ProScreen-Studie mit in die Auswertung aufgenommen. Entscheidend für die gegenüber der Vorgängerversion der Analyse veränderten Schlussfolgerungen waren zudem deutlich verlängerte Nachbeobachtungszeiträume, beispielsweise in der ERSPC-Studie mit 23-Jahres-Daten, der PLCO-Studie mit einem knapp 17 Jahre-Follow-up.