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Prostatakrebs
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Neue Cochrane-Analyse sieht Vorteil durch PSA-Screening

Das PSA-basierte Screening auf Prostatakarzinom reduziert wahrscheinlich die krebsspezifische Mortalität. Zu diesem Schluss kommt eine aktualisierte Cochrane-Metaanalyse. Sie markiert damit eine Kehrtwende gegenüber der Vorgängerversion aus dem Jahr 2013, die keinen signifikanten Mortalitätsvorteil durch das Screening hatte belegen können.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 19.05.2026  14:00 Uhr

Diagnose, Übertherapie und Nebenwirkungen

Pro 1000 gescreente Männer werden laut der Metaanalyse voraussichtlich 36 zusätzliche Prostatakarzinome detektiert, was einem relativen Risiko (RR) von 1,30 entspricht. Von diesen 36 Betroffenen haben 34 ein Prostatakarzinom im lokalisierten Stadium (RR 1,53). Die Diagnose fortgeschrittener Karzinome (Stadium III/IV) wird um rund 10 Prozent reduziert (RR 0,90), metastatische Befunde möglicherweise sogar um 35 Prozent (RR 0,65), wenngleich Letzteres nur mit niedriger Evidenzqualität belegt ist.

Zudem deuten die Daten an, dass zwei Todesfälle verhindert werden. Entscheidend ist dabei, dass die Analyse keinen signifikanten Anstieg schwerwiegender Komplikationen nachweisen konnte – ein zentrales Gegenargument, das Kritiker des Screenings bislang ins Feld geführt hatten. Potenziell komplikationsträchtig ist dabei nicht die Bestimmung des PSA-Werts im Blut, sondern es sind Biopsien oder nachfolgende Behandlungen, die ein erhöhter Wert möglicherweise nach sich zieht.

Das ProScreen-Paradigma: PSA plus Kallikrein-Panel plus MRT

Besonderes Interesse galt der finnischen ProScreen-Studie. Diese evaluiert als erste RCT ein gestuftes Screening, das dem Ansatz ähnelt, der auch in Deutschland diskutiert wird. In der ProScreen-Studie besteht das Screening aus einem PSA-Test, einem erweiterten Kallikrein-Panel – 4Kscore aus Gesamt-PSA (tPSA), freiem PSA (fPSA), intaktem PSA (iPSA) und humanem Kallikrein 2 (hK2) – sowie Magnetresonanztomografie (MRT) bei auffälligem PSA. Bei einem medianen Follow-up von erst 3,2 Jahren und 60.745 Teilnehmern zeigt sich in dieser Studie eine erhöhte Detektionsrate sowohl für lokalisierte (RR 1,88) als auch für fortgeschrittene Karzinome (RR 1,78) gegenüber keiner Früherkennungsmaßnahme.

Die Forschenden ordnen dies als klinisch nicht relevant ein, was angesichts der kurzen Beobachtungsdauer und der zu erwartenden Überdiagnose in der frühen Screeningphase methodisch plausibel ist. Angaben zu Mortalität, Lebensqualität und Nebenwirkungen fehlen bislang vollständig und sind für diese Studie wohl auch nicht vor 2038 zu erwarten.

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