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Schilddrüse
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Wie man eine Unterfunktion erkennt

Enorme Müdigkeit, ständiges Frieren, immer mehr Kilos auf der Waage: So kann sich eine Schilddrüsenunterfunktion zeigen. Was Betroffene (und alle, die vermuten, es zu sein) darüber wissen müssen.
AutorKontaktdpa
Datum 22.05.2026  14:00 Uhr

Wie zeigt sich eine Unterfunktion?

»Der Motor stottert«, zieht Fendrich einen Vergleich. Es gibt zahlreiche Symptome, die auf eine Unterfunktion hinweisen können. Eine Auswahl:

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, depressive Verstimmungen
  • verlangsamter Puls und Herzschlag
  • bei Frauen: unregelmäßige oder ausbleibende Periode
  • Haarausfall, langsames Nagelwachstum, brüchige Nägel
  • Gelenkschmerzen, rheumaähnliche Beschwerden
  • Kälteempfindlichkeit
  • Gewichtszunahme
  • Verstopfung
  • Heiserkeit
  • Schwellungen - etwa im Gesicht, an Fingern oder Unterschenkeln

Die Symptome einer Überfunktion sind gegensätzlich. »Wenn die Schilddrüse zu viel arbeitet, führt das beispielsweise zu Herzklopfen, Gewichtsabnahme, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit und vermehrtem Schwitzen«, so Wolfgang Braun.

Wo und wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert?

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, wo bei Verdacht auf eine Schilddrüsenfehlfunktion Blut abgenommen und im Labor analysiert wird. Hier kommt der TSH-Wert ins Spiel. Bei TSH handelt es sich um das Thyreoidea-stimulierende Hormon, das im Gehirn gebildet wird. Es regt die Schilddrüse an, Hormone zu produzieren.

Ist der TSH-Wert im Blut hoch, spricht das für eine Schilddrüsenunterfunktion. »Das Gehirn versucht dann, durch das Herausschießen von TSH die Schilddrüse anzukurbeln - was aber bei Zerstörung oder Entnahme der Schilddrüse eben nicht mehr funktioniert«, sagt Fendrich.

Für ein vollständiges Bild sind weitere Blutwerte hilfreich. Etwa der fT4-Wert, der verrät, wie viel des Hormons T4 frei im Blut unterwegs ist. Oder die Konzentration von Schilddrüsen-Antikörpern.

Teil der Diagnostik sollte auch eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse sein, die Aufschluss über die Ursache liefern kann. »Bei Hashimoto etwa kommen weniger Echos im Ultraschall zurück«, sagt Braun.

Bei einer Unterfunktion wird L-Thyroxin verordnet. Was gibt es zu beachten?

Steht die Diagnose, gehen Patientinnen und Patienten mit einem Rezept für L-Thyroxin aus der Arztpraxis heraus. In den Tabletten steckt das künstliche Schilddrüsenhormon T4. Oft müssen Betroffene verschiedene Dosierungen ausprobieren, bis ihr TSH-Wert zurück in den grünen Bereich gefunden hat. »Die Tabletten nimmt man dann ein Leben lang«, sagt Fendrich.

Bessern sich die Beschwerden trotz L-Thyroxin nicht, kann das auf Fehler bei der Einnahme zurückgehen. Die klassische Regel lautet: die Tablette mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück auf nüchternen Magen schlucken.

»Es geht vor allem um einen zeitlichen Abstand zu Kalzium, also zum Joghurt oder zum Kaffee mit Milch«, sagt Fendrich. Kalzium kann mit L-Thyroxin im Magen nämlich eine schwer lösliche Verbindung eingehen - der Körper nimmt dann eine geringere Dosis auf.

Einige andere Medikamente - insbesondere Eisenpräparate, kalziumhaltige Medikamente und Antibiotika - können die Aufnahme der L-Thyroxin-Tabletten im Dünndarm stören, so Braun. Am besten bespricht man mit Arzt oder Ärztin oder in der Apotheke, welcher Zeitabstand zwischen der Einnahme sinnvoll ist.

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