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Schilddrüse

Taktgeber für den Stoffwechsel

Das Multitalent Schilddrüse beeinflusst mit seinen Hormonen fast den ganzen Organismus. Entsprechend wichtig ist, dass es sich im Gleichgewicht befindet. Sowohl eine Über- als auch Unterfunktion schränken die Lebensqualität ein. Viele Patienten müssen lebenslang Medikamente einnehmen.
Nicole Schuster
03.09.2020  11:00 Uhr

Das Leichtgewicht wiegt nur bis zu 25 g und ist in etwa so groß wie eine Walnuss. Es liegt im Bereich des Kehlkopfs und besteht aus rund drei Millionen winzigen Bläschen, den Follikeln.

Die Schilddrüse steuert etliche Körperfunktionen. Ob Herz-Kreislauf-System, Verdauung, Knochenaufbau, Nerven- und Muskelfunktion, Sexualität und Fruchtbarkeit, das Heranreifen des ungeborenen Lebens während der Schwangerschaft oder die Psyche: Ohne die Hormone der Schilddrüse gerät einiges aus dem Gleichgewicht.

Hypothalamus und Hypophyse steuern die Hormonproduktion. Der Hypothalamus schüttet stoßartig das Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH) aus. TRH regt die Hypophyse dazu an, das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) freizusetzen, das wiederum die Produktion und Freisetzung der Schilddrüsenhormone steigert. Unter dem Einfluss von TSH nimmt die Drüse mehr Iod aus dem Blut auf. Enzyme werden aktiv und stellen aus der Hormonspeicherform Thyreoglobulin und vier Iodatomen Thyroxin (T4) her sowie aus Thyreoglobulin und drei Iodatomen das biologisch wirksamere Triiodthyronin (T3). Dazu knüpfen sie vier beziehungsweise drei Iodatome an die Tyrosin-Anteile der Speicherform an.

T3 und T4 gelangen eiweißgebunden über die Blutbahn zu ihren Wirkorten, den übrigen Zellen des Körpers. In die Zellen gelangen sie durch spezifische Transporterproteine. Menschen, denen wegen eines Gendefekts bestimmte Transporterproteine fehlen, leiden unter schweren neurologischen Störungen, die sich bereits früh in der Entwicklung bemerkbar machen (1, 2). Ein Beispiel ist die seltene, X-chromosomal vererbte Erkrankung Allan-Herndon-Dudley-Syndrom. Das AHDS macht sich durch schwerste geistige Entwicklungsverzögerungen und Störungen der Motorik und des Muskelaufbaus bemerkbar. Als Ursache haben Forscher Mutationen in einem Gen identifiziert, das für den Monocarboxylat-Transporter 8 (MCT8) kodiert, der spezifisch für das Hormon T3 ist (3).

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